Woodwalkers - Katzenalarm (Fanfiction) - 1

von Liesa, 16 Jahre


 

Hallo ihr lieben Leser!
Endlich ist es wieder so weit: Kidsville hat geöffnet! Ich freue mich außerordentlich, euch heute eine Fanfiction des besten unübersetzten Buches, das ich je gelesen habe, präsentieren zu dürfen. Ich habe die Autorin um Erlaubnis gefragt und sie hat mir erlaubt, die Geschichte zu veröffentlichen. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön dafür!

Ansonsten wollte ich nur noch einmal darauf hinweisen, dass diese Geschichte noch keine 100%ige Endversion ist und ich hoffe, dass ich von euch nicht nur viel Lob (worüber ich mich natürlich auch sehr freue), sondern auch einige Verbesserungstipps bekomme, damit ich die Geschichte nach bestem Wissen und Gewissen überarbeiten kann.
Des Weiteren bleibt noch anzumerken, dass das, was in ‚einfachen Anführungszeichen‘ steht, in Wirklichkeit (nur) kursiv gedruckt ist, aber das wird ja hier nicht angezeigt, deshalb stehen hier diese Anführungszeichen, damit man sie sowohl von gesprochenen wört-lichen Reden als auch vom restlichen Text unterscheiden kann.
Nun möchte ich euch aber natürlich nicht noch länger auf die Folter spannen und wünsche euch allen ganz viel Spaß beim Lesen!

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Kapitel 1 - Avary
Fledermäuse - sie gelten als gruselige, blutsaugende, nachtaktive Wesen, die sich in Vampire verwandeln können und tagsüber in Höhlen hängen und schlafen.
Ich hing tagsüber leider nicht in Höhlen, sondern in der Schule und wurde ständig durch ewig nervende Lehrer vom Schlafen abgehalten. Und nachts, also gerade in diesem Moment wo diese Geschichte begann, hing ich gerade kopfüber an einem Baum und versuchte, einen panischen Hamster aus einer Plastikverpackung zu befreien.
Im Übrigen verwandle ich mich auch nicht in einen Vampir, sondern bloß in einen Menschen. Genau wie dieser Hamster unter mir, der sich gerade in einer erneuten Panikattacke nur noch mehr im Kunststoff verhedderte. Aber im Moment war er viel zu aufgeregt, um sich zu verwandeln. Beziehungsweise sie. Der Hamster ist nämlich meine beste Freundin und heißt Pauline. Von ihr weiß ich auch, dass Wesen wie wir Woodwalker heißen. Das hat sie von ihren Eltern gelernt. Mit denen ist sie in einem Käfig bei einer Familie aufgewachsen. Später wurde sie verkauft, an ein zickiges kleines Mädchen, das zuerst unbedingt ein Haustier haben wollte und später meine beste Freundin ausgesetzt hat, weil sie festgestellt hat, dass man mit Hamstern 1. nicht gut angeben kann, 2. nichts als Arbeit hat und 3. tagsüber mit Hamstern nicht gut spielen kann, weil diese eher nachtaktiv sind.
Jetzt schlief Pauline tagsüber, während ich in der Schule war, in meinem Zimmer. Nachts streiften wir gemeinsam durch die Gegend. Das Einzige, was an der Nacht für uns nicht gut war, war die Tatsache, dass die meisten Supermärkte zu sind. Also eigentlich alle in unserer Umgebung. Das ist deshalb ein Problem, weil Pauline nachts häufig Hunger bekommt – und zwar meistens genau auf die Sachen, die wir gerade nicht im Haus haben.
Diese Nacht beispielsweise war das ein Apfel. Also suchten wir einen Apfelbaum, um einen zu holen. Beinahe wäre alles gut gegangen: wir fanden einen hübschen Baum am Straßenrand, der geradezu dazu einlud, sich zu bedienen. Allerdings übersahen wir die kleine Plastikverpackung, die aus irgendeinem mir unerfindlichem Grund an dem Ast hing. Und so kam es, dass sich Pauline darin verfing. Natürlich war ich als beste Freundin verpflichtet ihr zu helfen, also hängte ich mich an den Ast über ihr und begann, an der Plastikverpackung rumzufummeln.

Zwischen den Panikattacken hörte ich sie mit Gedankensprache rumfiepen: ‚Danke Avery, du bist die beste Freundin überhaupt, alleine würde ich es nie schaffen, hier rauszukommen und dann würde ich hier hilflos verenden und oh, ist das schrecklich!‘ Und dann fing sie wieder an zu zappeln und ich hatte große Mühe, sie auf dem Ast zu halten und die Verpackung von ihr abzufummeln.
Wunder über Wunder schaffte ich es aber tatsächlich irgendwann, meine kleine Freundin war endlich frei und schnappte sich denn Apfel, auf den sie mittlerweile allerdings gar keinen Appetit mehr hatte. "Für später", beschloss sie.
Als wir uns wieder auf den Weg machten, fingen meine feinen Ohren das Geräusch eines Vogels ein. Seltsamerweise klang das Tier nicht nach einem von denen, die normalerweise nachts unterwegs sind. Und heute glaube ich, dass es ein Adler war. Ein Weißkopfseeadler, um genau zu sein.

Ein Weißkopfseeadler war es nämlich, der uns wenige Tage später ansprach. Wie sich herausstellte war es eine Woodwalkerin mittleren Alters, die nicht weit von hier entfernt ein Internat leitet. Sie stellte sich uns als Lissa Clearwater vor und lud uns ein auf ihre Schule, die Clearwater High, zu gehen.
"Ihr könnt dort viele Dinge lernen, sowohl Wichtiges für eure Tiergestalt, als auch Wissen, dass ihr als Menschen braucht. Ihr lernt, wie ihr in beiden Welten gleichzeitig leben könnt. Außerdem erfahrt ihr, wie man sich nachts Essen besorgt, ohne dass es zu kleineren oder größeren Katastrophen kommt.“
Ich spürte, wie ich etwas rot wurde. Wie viel hatte sie eigentlich mitbekommen?
„Wenn ihr wollt, bekommt ihr auch zusammen ein Zweierzimmer. Da einige Tiere an unserer Schule nachtaktiv sind, dürft ihr gerne aufbleiben, solange ihr wollt - und solange ihr die anderen nicht stört - und draußen umherstreifen. Ihr müsst nur pünktlich zum Unterricht erscheinen. Nachmittags könnt ihr euch dann bis zum Abendessen ausschlafen."
Das waren recht viele Informationen. Ich spürte ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Vielleicht lernte man in diesem Internat ja auch, wie man nachts Essen besorgt, ohne dass es zu kleineren oder größeren Katastrophen kam? Auf jeden Fall klang diese Schule tausendmal besser als die Junior-High, die ich im Moment "besuchte", wie die Erwachsenen das immer so schön formulierten. Zusammen mit Pauline in die Schule gehen, anstatt mit den Idioten aus meiner Klasse? Klang echt gut! Und vor allem aber war ich es sowasvon satt. Ich war es satt, immer verbergen zu müssen, wer ich wirklich war und so tun zu müssen, als wäre ich ein ganz normaler Mensch.
"Entscheidet euch gut, ich schicke euch morgen einen Boten vorbei, dem könnt ihr dann sagen, ob ihr wollt oder nicht. Bis hoffentlich bald!", verabschiedete sie sich schließlich und flog davon.

Pauline und ich waren uns recht schnell einig. Pauline wollte endlich wieder ein richtiges Zuhause. "Bei dir ist es schön, Avery", sagte sie. "Und ich würde mich freuen, wenn wir uns ein Zimmer teilen können. Aber dieses kleine Zimmer für uns beide ist echt keine Dauerlösung. Und ich bin mega neugierig auf diese Schule. Ich war noch nie in einer Schule!"

"Du hast Recht", stimmte ich ihr zu. „Außerdem will ich unbedingt lernen, als Fledermaus klarzu-kommen."
Und so war es beschlossene Sache.
Wie versprochen schickte Lissa Clearwater in der nächsten Nacht eine Botin. Es war eine Eule, die angeflogen kam und sich direkt vor unserer Nase in einen Menschen verwandelte. Sie wirkte nicht viel älter als wir und außerdem so, als müsste sie sich wirklich überwinden, um uns anzusprechen.

"Hey", begrüßte sie uns, "ich bin Trudy. Lissa hat mir aufgetragen, euch zu fragen, ob ihr auf das Internat wollt. Also, wollt ihr?" Sie lächelte uns schüchtern an und strich sich eine ihrer dunkelbraunen Strähnen hinters Ohr.
"Na klar", erwiderte Pauline.
"Aber wir wissen noch nicht, wie wir es meinen Eltern sagen soll", fügte ich hinzu.
"Das ist kein Problem", beruhigte uns Trudy. „Deine Eltern wissen, dass ihr alle Woodwalker seid, richtig?“ Sie drückte uns einen Prospekt in die Hand. „Das ist der Prospekt für Eingeweihte. Gebt ihn einfach deinen Eltern.“ Sie strich sich noch einmal nervös mit der Hand durch die Haare.
„Okay“, erwiderte ich. „Mach ich. Dankeschön! Wir sehen uns?“
„Bestimmt!“ Trudy lächelte uns noch einmal zum Abschied zu, verwandelte sich dann zurück und flog davon.
Jetzt lag es an uns, die Erlaubnis einzuholen. Ich seufzte. „Ach Pauline, was soll ich denn bloß sagen?“ Sie schob mich sanft in Richtung Tür. „Die Wahrheit“, erklärte sie.
Als wir aufs Haus zugingen, bemerkten wir, dass Licht in der Küche an war. Wir wussten sofort, wer da untypischerweise nachts außerhalb ihres Bettes war. Wenn mein Vater nachts auf war, machte er nämlich nie Licht an, war ja gar nicht nötig. Lediglich meine Mutter nutzte auch solche „Menschendinge“, die wir eigentlich nicht brauchten.
„Gut, dass sie wach ist“, fand Pauline. „Dann können wir sie gleich fragen.“
Mit großen Augen sah ich sie an. „Jetzt?! Bist du dir sicher?“
Eigentlich hatte ich nämlich damit gerechnet, bis morgen Zeit zu haben, um nach Worten zu suchen. Aber Pauline bestand darauf, es jetzt zu tun. „Nachts ist sie vielleicht so überwältigt, dass sie nicht nein sagen kann. Außerdem haben wir es dann hinter uns. Umso länger wir warten, desto schüchterner und steifer werden wir doch! Das ist so wie beim Springen vom 5er! Man muss es sofort tun, sonst traut man sich nicht mehr.“
Ich seufzte. Aber ich wusste auch, dass ich so gut wie keine Chance hatte. Wenn Pauline sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es auch durch. Und notfalls würde sie alleine gehen. Wer weiß, was sie dann sagen würde! „Na gut“, gab ich schließlich nach. „Aber lass mich sprechen!

Leise schlichen wir rein.

Meine Mutter saß am Küchentisch und aß ein Brot mit Marmelade. Neben ihr stand eine Tasse Tee.
Pauline und ich tappten in die Küche und ich legte ihr den Prospekt hin. „Du Mama“, fing ich an. „Es gibt da ein Internat, das von einem Weißkopfseeadler geleitet wird und wo wir hinwollen.“
Meine Mutter sah mich reichlich verwirrt an. „Wie? Was? Wann? Wo? Jetzt noch mal im Klartext: Was für ein Internat? Und was für ein Adler? Ein richtiger oder ein… wie hieß das noch gleich? Woodwalker? Und warum kommt ihr damit nachts an?“
„Ein Woodwalker“, bestätigte ich. „Und es ist ein Internat für Wandler. Es müsste eigentlich alles in dem Prospekt stehen.“ Ich hatte ihn mir selbst noch nicht angesehen, deshalb wusste ich nicht, wie viel wirklich drinstand. Aber ich hoffte einfach mal, dass er meine Mutter überzeugen und alle Fragen so beantworten würde, wie es ihr gefiel. Die Frage nach dem „warum jetzt?“ überhörte ich geflissentlich.
„Schau es dir einfach mal an“, sagte ich, damit sie mir nicht irgendwelche Fragen stellen konnte, auf die ich die Antwort selbst nicht wusste. Dann würde sie wohlmöglich mit ihrer „informier dich selbst erstmal bevor du dich entscheidest“-Tour kommen. Und das wollte ich möglichst vermeiden. „Wir können morgen am Frühstückstisch darüber reden.“ Bis dahin würde ich hoffentlich mehr Informationen haben. Woher auch immer.

Ich hatte keine Informationen. Aber es lief trotzdem alles glatt. Als mein Vater nämlich von dieser Idee hörte, war er sehr begeistert von dem Gedanken, dass ich lernen könnte, mit beiden von meinen Seiten zu leben. Und mein Vater schaffte es recht schnell, meine Mutter zu überzeugen.
„Nicht, dass ich dich irgendwie loswerden wollen würde, Avary“, betonte er. „Im Gegenteil, ich freue mich, wenn du an den Wochenenden auch mal nach Hause kommst. Aber ich bin der Überzeugung, dass Eltern mit ihren Wünschen nicht der Entwicklung ihrer Kinder im Wege stehen sollten.“
Ich umarmte meinen Vater stürmisch. „Das würde ich doch niemals denken, Papa. Du bist einfach der beste!“
Er drückte mich kurz an sich. „Das freut mich sehr, meine liebe Avary!“ Als ich ihn losließ, bemerkte ich großen Stolz in seinen Augen.
Generell verstand ich mich mit meinem Vater wirklich super. Mit ihm war ich oft nachts unterwegs gewesen, bevor ich Pauline kennengelernt hatte. Er hatte meine Mutter davon überzeugt, dass sie bleiben durfte. Und er fand es wichtig, dass ich mit beiden meiner Seiten klarkam. Was bei meiner Mutter nicht so der Fall war. Sie fand die Ohren unserer Fledermausgestalt zu groß, was ich praktisch fand, weil ich so super hören konnte. Sie fand, Fledermäuse wären gruselig, ich fand, Fledermäuse sind cool. Und so weiter.

Natürlich musste es ausgiebig gefeiert werden, dass wir bald aufs Internat gehen würden.
„Auf eine gute Zeit!“, rief Pauline. Wir stießen mit Apfelschorle an. Und ich freute mich wahnsinnig auf unsere gemeinsame Zeit im Internat.

***

Kapitel 2 – Feline
Seit 3 Monaten bin ich jetzt in diesem Internat. Und so richtig heimisch fühle ich mich immer noch nicht. Das liegt nicht direkt am Internat selbst. Im Gegenteil, es ist wunderschön hier. Die Zimmer sind sehr geräumig und man kann wunderbar durchs Fenster nach draußen klettern – vor allem wenn man eine Katze ist, wie ich. Von draußen sieht das Gebäude weniger wie ein Gebäude, sondern mehr wie Landschaft aus. Das finde ich voll super. Und auch im Mensa- und Aufenthaltsbereich habe ich nie das Gefühl eingesperrt zu sein.
Es ist auch nicht so, dass ich die einzige Katze hier wäre. An Hauskatzen wäre da zum Beispiel dieser Kater Dorian 1 Jahr über mir. Er ist so stinkefaul und er regt mich mega auf! Wenn ich ihn sehe, fühlt es sich so an, als würde in mir drin etwas explodieren und durcheinanderwirbeln… Leider schleicht dieses Vieh sich ständig in meine Gedanken.
In meinem Jahrgang sind die Schüler eigentlich richtig nett. Da wäre zum Beispiel das Schaf Molli. Sie ist manchmal etwas vergesslich, aber immer echt nett. Oder die Elefantendame Amina. Sie ist sehr schlau und hilft uns nicht so begabten öfters bei den Hausaufgaben. Ebenso Daisy, eine fleißige Eselin.
Dennoch bekomme ich keinen richtigen Kontakt zu ihnen. Es ist zum Verzweifeln.

 

 
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