Woodwalkers Fanfiction III (Gefrognapt) Teil 5

von Liesa, 18 Jahre


 

Kapitel 8 - Pauline

„Oh, ich bin so aufgeregt, eine richtige Nacht-und-Nebel-Suchaktion!“ Nervös hüpfte ich von einem Bein auf das andere.
Avary zwickte mich in die Seite. „Hey, heb dir deine Kraft bitte zum Suchen auf, ja?“

Wir standen in der Eingangshalle – wir und viele andere Schüler der Clearwater High.
Die Lehrer hatten beschlossen, dass je einer von ihnen mit den Gruppen mitgehen sollte. Dazu ein bunter Mix aus Schülern, die sich möglichst gut in ihren Fähigkeiten ergänzen sollten.
Avary und ich sollten beide Stromabwärts gehen, aber in zwei verschiedenen Gruppen.
Ich war mit dem einhörnigen Bison, einer weißen, grimmig dreinblickenden Wölfin, einem Otter, einem Raubvogel mit einer kleinen Tasche im Schnabel, dem Beo und einer Kellerassel zusammen in einer Gruppe. Außer der Kellerassel und dem Beo waren alle aus den höheren Jahrgängen, die meisten waren aus dem direkt über uns. Zum Glück bin ich gut im Merken von Namen…
Angeführt wurde unsere Gruppe von James Bridger. Außerdem hatten wir noch Caroline dabei. Das war einerseits riskant, weil wir uns mit ihr nicht von Kopf zu Kopf unterhalten konnten, aber andererseits wusste sie auch einiges und konnte uns möglicherweise hilfreiche Tipps geben. Und sie dachte nicht so menschlich, dadurch konnte sie uns womöglich auch helfen.

„Und denkt dran, wenn ihr etwas findet oder in Gefahr geratet, ruft ihr die jeweils andere Gruppe per Gedankenruf“, schärfte Lissa Clearwater, die die andere Stromabwärts-Gruppe leitete, uns ein. „Tikaani, du übernimmst das bitte in dieser Gruppe, und Cliff in meiner.“
Außerdem sollten sie immer mit der jeweiligen Luftraum-Überwacherin in Kontakt bleiben. In meiner Gruppe war das dieser Raubvogel. Wie war noch gleich ihr Name? Hm. Avary hätte es gewusst, sie kannte sie aus der Flugstaffel. Vielleicht ist mein Gedächtnis doch nicht so gut, wie ich dachte. Aber hey, wer kann sich bitteschön so viele Namen auf einmal merken?
Und schon ging es los. Viele gingen in Zweitgestalt, aber manche – darunter auch ich – sollten sich nur verwandeln, wenn die jeweiligen Fähigkeiten der Tiergestalt gebraucht wurden. Das betraf vor allem die ganzen Kleinen und die ganz besonders großen Tiere.
Beinahe vergnügt folgte ich den anderen in den Wald.

Die ersten paar Meter gingen wir alle gemeinsam, dann teilten wir uns in unsere Gruppen auf. Mir machte es wirklich Spaß, durch den dunklen Wald zu laufen. Andere sahen nicht so glücklich aus. Der Bisonjunge, im Moment noch in Menschengestalt (das war doch irgendwas mit B wie Bison… Bi… Bri… Bra… Brandon! Ja, genau, das wars), schaute etwas ängstlich drein und auch die Kellerassel aus meiner Klasse wirkte so, als wäre sie jetzt am liebsten ganz wo anders. Komisch eigentlich, wieso hießen wir überhaupt Woodwalker, wenn es anscheinend manchen gar keinen Spaß machte, durch den Wald zu laufen?

Wir kamen nur langsam voran. Vorne liefen die beiden Gruppensprecher, sie checkten mit ihrer Nase, ob noch alles im grünen Bereich war. Hoch über ihnen schwebten je zwei Flieger. Unten hatten wir uns am Flussufer verteilt. Eine Weile trotteten wir schweigend durch den Wald. Dann hörte ich über mir ein ‚He, pass doch auf, wo du hinfliegst, Lilly!‘ Gleichzeitig mit einem nach Beo klingenden Krächzen. Anscheinend hatte es da oben einen kleinen Zusammenstoß gegeben.
‚Pass doch selber auf!‘, kam es sogleich zurück. ‚Ich bin schließlich nicht diejenige, die hier die ganze Zeit Schlangenlinien fliegt!‘
‚He hier‘, mischte sich jetzt James Bridger ein. ‚Es hilft niemandem, wenn ihr euch da oben streitet!‘
‚Ich habe nicht angefangen!‘, verteidigte sich Lilly.
Der Beo machte einfach weiter. ‚He, Federleserin, was nützen dir eigentlich deine guten Augen, wenn du trotzdem nicht siehst, wo du hinfliegst?‘
Ich fand, es war dringend Zeit für ein Machtwort. Was sich liebt, das neckt sich!, sang ich. Was sich liebt das neeeeckt sich!, schrie ich noch einmal. Und siehe da, es schien zu wirken.

***
Kapitel 9 – Feline
***

Es raschelte. Etwas Laub fiel auf mich. Und ich fühlte mich beobachtet. Ich beschloss, dass das der richtige Augenblick war, mich in eine Katze zu verwandeln und mir irgendwo ein neues Versteck zu suchen. Oder, noch besser, zur Clearwater High zu laufen und meine neusten Ergebnisse den anderen mitzuteilen. Ich meine, im Grunde genommen war es von Anfang an dumm (gewesen), alleine losziehen zu wollen – das musste ich mir jetzt eingestehen, ob ich wollte oder nicht.
Verwandeln hatte ich schon immer gut gekonnt und so stand ich Sekunden später als rot getigerte Katze da und wollte wegrennen so schnell ich konnte. Doch ich kam nicht weit. WUMMS machte es, als etwas auf mich niedersauste, was sich als Falle herausstellte. Mir entwich ein erschrockenes Miauen. Mist!

Um mich herum war etwas gelandet, dass wie ein Netz wirkte – mit beschwerten Rändern. Zwei Sekunden später fiel noch etwas aus dem Baum, was sich als Mensch entpuppte. Logan.
Ich versuchte, so grimmig wie möglich zu gucken. Aber wahrscheinlich sah es einfach nur jämmerlich aus. Logan hingegen grinste breit. „Wusste ich’s doch!“, sagte er. „Also, eines muss man euch lassen: Ihr seid ziemlich berechenbar!“
Ich unterdrückte ein weiteres verängstigtes Miauen.
Logan stand auf und ging mit wenigen Schritten zum Höhleneingang. Als er hineinkrabbelte, versuchte ich, die Chance zu nutzen um zu fliehen. Doch alles was ich schaffte war, das Netz ein paar Zentimeter weiter zu ziehen.
Als Logan sich wieder umdrehte, hielt er auf einmal einen Katzentransporter in der Hand. Und er lachte höhnisch. „Na, versucht zu entkommen, Kätzchen?“
Fauchend gab ich auf und kauerte mich auf dem Waldboden zusammen.
Mit einer raschen Bewegung hob Logan das Netz an und schob die Transportbox darunter. Noch einmal sprintete ich los, doch seine warmen, rauen Hände packten mich und schubsten mich zurück. Ich hoffte, dass ich ihn wenigstens mit meinen Krallen erwischt hatte.
„So, dann mal ab ins Körbchen, wie sich das für kleine Katzen gehört!“ Immer noch grinsend zog der verrückte Junge etwas aus seiner Tasche. War das etwa… ein Messer?
Trotzig rollte ich mich zusammen und überlegte, wo ich sicherer sein würde. Hier unter dem Netz konnte er mich besser mit dem scharfen Teil in seiner Hand erreichen, allerdings würde ich ausweichen können – jedenfalls, falls ich wach genug dazu war. In der Transportbox wäre ich etwas sicherer, allerdings auch noch gefangener. Und außerdem hatte Logan gesagt, ich sollte da rein gehen… Hatte er das getan, weil er dachte, dass ich dann erst recht nicht reingehen würde oder weil ich wirklich reingehen sollte? Und wenn ich nicht rein sollte, warum hatte er dann überhaupt erst das Risiko aufgenommen, die Box unter das Netz zu schieben? Irgendwie wurde ich nicht so richtig schlau aus diesem Jungen. Machte er vielleicht ein psychologisches Experiment mit mir, ob ich in die Box gehen würde oder nicht? Immerhin hatte er vorhin selbst gesagt, wir seien einfach zu berechnen. Und er schien tatsächlich alles genau so geplant zu haben!
Mir fiel die Karte wieder ein, die ich gefunden hatte. Bestimmt war sie ihm gar nicht aus Versehen aus der Tasche gefallen – er hatte sie mit voller Absicht dort platziert! Und ich war auch noch so dumm gewesen und drauf reingefallen!
Und was wollte er bloß mit dem Messer, mit dem er gerade so vergnügt in der Luft rumfuchtelte?

 

 
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