Woodwalkers Fanfiction III (Gefrognapt) Teil 4

von Liesa, 18 Jahre


 

Kapitel 6 – Feline

Wir saßen gerade beim Abendbrot, da kam der Junge hereingestürmt und begann, aufgeregt mit Mrs. Clearwater zu reden. Die beruhigte ihn erstmal und ging dann mit ihm raus.
Mir war der Appetit vergangen. Eines war klar – ich war Schuld an dem ganzen Desaster. Hätte ich doch nur auf Avary gehört!
Ich murmelte etwas von Müdigkeit und „Gute Nacht“, bevor ich aufstand und mein Tablett wegbrachte.
Doch ich würde nicht ins Bett gehen. Da konnten die Lehrer noch so viel von Eigenschutz labern – wenn ich mich jetzt auf mein Zimmer zurückziehen würde, würden die Schuldgefühle mich zerfressen. Außerdem… ich konnte reden, das wusste ich. Meine Verwandlungen hatte ich ebenfalls sicher im Griff. Ich hatte Mrs Clearwater dazu überredet, Caroline behalten zu dürfen und ich hatte Tomek dazu überredet, mit zur Clearwater-High zu kommen. Wieso nicht diesmal Logan dazu überreden, sein Dasein als Mensch zu akzeptieren? Noch während ich so dachte, machte ich mich auf den Weg.

Ehrlich gesagt hatte ich keine Idee, wo ich anfangen sollte zu suchen. Doch der Zufall kam mir zur Hilfe: Als ich ein paar Schritte in den Wald hineingelaufen war, sah ich einen zerknitterten Zettel auf dem Boden liegen. Es war eine Karte des Nationalparks mit einigen Wanderwegen und Campingplätzen. Aber es war noch mehr eingezeichnet: jemand hatte mit einem roten Stift die Clearwater High eingezeichnet und von da aus eine Linie, die ziemlich parallel zum Snake River verlief und einen roten Kringel, neben dem „Höhle“ stand.
Rasch zählte ich eins und eins zusammen. Garantiert hatte Logan diese Karte verloren, als er vorhin so hastig aufgebrochen war. Tja, das kam davon, wenn man es so eilig hatte… Die Höhle musste sein Geheimversteck sein und die rote Line der Weg dorthin.
In Menschengestalt lief ich los. So konnte ich mich notfalls in eine Katze verwandeln, stand aber erstmal in Menschengestalt nicht nackt da. Das fand ich sehr clever von mir.
Als Mensch kam ich zwar nicht so schnell voran, weil ich öfters irgendwelchen Sträuchern aus dem Weg gehen musste. Aber dennoch hatte ich schon bald das Schulgelände hinter mir gelassen. Ich war hochmotiviert und wenn ich ehrlich war, machte es auch ziemlich Spaß, durch den Wald zu laufen. Ich machte mir einen gedanklichen Vermerk, dass ich das in Zukunft öfter mal machen sollte.
Und tatsächlich, schon bald kam ich an eine kleine Höhle. Ich überlegte nur kurz, was jetzt zu tun war. Und ich entschloss mich für verstecken, abwarten und beobachten bzw. lauschen. Leise kauerte ich mich unter einen Strauch. Kurz überlegte ich, ob es jetzt schlau wäre, mich zu verwandeln. Aber ich entschied mich aufgrund meiner Fellfarbe (orange! Viel zu auffällig.) dagegen. Also lag ich ein paar Minuten lang als Mensch unter einem Strauch und kam mir reichlich abenteuerlustig vor.
Doch die Abenteuerlust verging mir bald, als ich es über mir erst Rascheln und dann lachen hörte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass über mir ein Mensch hockte.
Und zwar kein Guter….

***

Kapitel 7 – Avary

***

Eigentlich sollte ich mir keine Sorgen machen. Feline hatte sich in ihr Zimmer verabschiedet, es war kein Wunder, dass sie nach diesem aufregenden Tag müde war.
Und Mrs Clearwater würde sich um den Fall des verschwundenen Schülers kümmern.
Doch ein komisches Gefühl in meinem Bauch sagte mir, dass das nicht stimmte. Also das letzte mit Sicherheit schon, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob sie eine Chance hatte, jetzt im Dunkeln den Schüler zu finden. Der, wie ich gehört hatte, ein sehr kleines Tier war. Das sich möglicherweise versteckte. Und früher oder später gefressen werden würde.
Aber mindestens das erste… Ich weiß nicht, irgendwas an ihrer Körperhaltung hatte mich vorhin skeptisch gemacht. Auch wenn ich nicht so richtig sagen konnte, was – es war eher so eine instinktive Sache.
Nervös knabberte ich an meinem Wurstbrot rum.
Meine Gedanken schossen nur so durch mein Gehirn, es fühlte sich an wie ein Güterbahnhof mit langen, schweren Zügen, die da durchfuhren.
Und irgendwann machte es dann „klick“ und die Teilchen des Puzzles rutschten an ihren Platz.

Wahrscheinlich war es kein Zufall, dass der Schüler gerade heute verschwunden war. Wahrscheinlich hatte Logan ihn entführt. Wenn er wirklich so ein kleines Tier war, dann hatte er ihn einfach nehmen und in seine Tasche stopfen können. Und garantiert war Feline losgezogen, um nach den beiden zu suchen.

Ich zwang den Rest des Brotes in mich hinein. Mein Magen fühlte sich zwar wie zugeschnürt an, aber ich brauchte Kraft.
Dann erzählte ich Pauline von meinem Verdacht.
Zum Glück war sie schon fertig. Also standen wir auf und brachten noch ganz brav unsere Tabletts weg, bevor wir uns hastig auf den Weg zu Felines Zimmer machten.
So leise wie möglich öffneten wir die Tür, nur für den Fall, dass wir uns irrten und Feline brav in ihrem Bett lag und schlief.
Doch leider irrten wir uns nicht.

Ratlos standen wir in dem geräumigen Zimmer. Felines Bett war leer und ordentlich gemacht. Auf der Bettdecke lag nur Caroline, die uns aus großen Augen fragend anschaute.
Pauline gab einige kätzisch klingende Geräusche von sich, die ich nicht verstand. Obwohl ich jetzt schon so lange mit zwei Katzen befreundet war, von denen nur eine ein Woodwalker war, beherrschte ich die Sprache nur in Ansätzen. Vielleicht sollte ich da mal ein bisschen ausführlicher anfangen zu lernen.
Caroline antwortete Pauline kurz und sprang dann vom Bett.
„Caroline sagt, sie hat Feline nach dem Abendbrot nicht mehr gesehen“, übersetzte Pauline für mich.
Besorgt blickten wir uns an.
„Wir sollten nicht den gleichen Fehler machen wie sie“, meinte ich. „Du weißt schon: Einer bricht ein und der andere bricht auch ein, weil er ohne nachzudenken hinterhergelaufen ist.“
Pauline nickte. „Am besten gehen wir zu irgendeinem Lehrer und sagen, dass Feline jetzt auch weg ist.“
„Und erzählen ihnen von unserer Vermutung“, fügte ich hinzu.
Gemeinsam gingen wir zu Lissa Clearwaters Büro.

Sie war gerade gemeinsam mit Bill Brighteye, Sarah Calloway und James Bridger dabei zu überlegen, wo der verschwundene Wandler sein könnte.
Mir war nicht so wohl dabei, mit vier so starken und dominanten Lehrern auf einmal zu sprechen, aber zum Glück waren es auch alles sehr freundliche Lehrer – auch wenn sie jetzt gerade sehr ernst wirkten – und so erzählte Pauline einfach alles – dass Feline vermutlich losgezogen war, um den Schüler und seinen Entführer zu suchen, und auch alles andere was wir wussten und vermuteten.
„Vielen Dank, ihr beiden!“ Lissa blickte uns aus ihren scharfen Adleraugen freundlich an. „Ich werde gleich mal im Restaurant anrufen und fragen, ob der Gastwirt vielleicht eine Idee haben könnte, wo der Junge steckt. Er ist mit einigen Lehrern hier befreundet, ihn wird bestimmt auch interessieren, was passiert ist.“ Schon nahm sie den Telefonhörer in die Hand.

Ein paar Minuten später wussten wir, dass Logan schon immer ziemlich wenig zu Hause war und sehr wahrscheinlich ein Geheimversteck in der Nähe des Snake Rivers hatte.
„Am besten, wir trommeln ein paar Schüler zusammen“, meinte James Bridger. „Wir könnten vier Gruppen bilden, die die Gegend um den Snake River durchsuchen.“
Und so machten wir es.

 

 
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