Woodwalkers - Ausgefuchst (Fanfiction) 3

von Liesa, 16 Jahre


 

Kapitel 4 – Avary

Wir hatten den ganzen Nachmittag verschlafen. Und wie gut das getan hatte! Zufrieden rekelte ich mich und merkte, dass ich putzmunter war. Fröhlich schwang ich die Beine aus dem Bett und schaute zu Paulines Bett. Von ihr sah man aber nicht viel, genau genommen nur ein paar von ihren langen blonden Haaren, die oben aus der Bettdecke rausschauten.
Ich stand auf und ging zum Fenster.
Draußen dämmerte es gerade und die Wolken leuchteten rot in der Abendsonne. Das sah echt super aus! Ich beschloss, dass wir unbedingt nach draußen gehen mussten. Da fing schräg hinter mir auch schon die Bettdecke an zu rascheln und Pauline streckte ihren Kopf raus: „Ah, du bist wach? Super, dann lass mal aufstehen und was machen!“, begrüßte sie mich.
Ich drehte mich grinsend um und entgegnete freundlich: „Dir auch einen schönen guten Abend, Pauline. Aber ja, ich wäre auch dafür, raus zu gehen - die Luft da draußen ist bestimmt schon wunderschön frisch um diese Uhrzeit, und die Wolken sehen gerade echt toll aus!“
„Mrs Parker-schön oder wirklich schön?“, erwiderte Pauline keck.
Ich kam zu ihrem Bett und zog ihr die Bettdecke weg. „Wirklich sehr schön. Also komm jetzt, steh auf und mach schon!“

Nur fünf Minuten später standen wir draußen auf dem Flur. Wir liefen nach draußen auf den Schulhof, wo wir Feline begegneten, die uns in Katzengestalt aus Richtung Wald entgegengelaufen kam. „Avary, Pauline, schön dass ihr wach seid! Ich habe eine unglaubliche Entdeckung gemacht, kommt schnell mit!“ Und schon machte sie ein paar schnelle Hüpfer in Richtung Wald. Dann drehte sie sich noch mal um und rief uns ein „Los kommt schon, worauf wartet ihr noch?“ zu. Also beeilten wir uns und liefen los.
Als wir zum Waldrand kamen, verwandelte ich mich und flog als Fledermaus weiter, nur Pauline blieb in Menschengestalt. Feline schien genau zu wissen, wo sie hinwollte. Nach kurzer Zeit flüsterte sie uns zu: „So, leise und vorsichtig jetzt! Da vorne ist er!“
Ich wollte fragen: „Wer ist da vorne?“ Doch da entdeckte ich ihn schon selbst. Vor uns huschte ein Junge mit orange-roten Haaren, normal aussehenden Klamotten und einer großen Umhängetasche durch den Wald. Das war doch… unser neuer Schüler, Rick!

Kapitel 5 – Pauline

Ich glaub‘s nicht, unser Neuer streift heimlich spätabends mit einer riesigen Umhängetasche durch den Wald. Was will er mit diesem riesigen Teil? Eigentlich sieht es nicht nach einem entspannten Picknick aus, denn er wirkt mehr, als würde er möglichst schnell zu einem bestimmten Punkt wollen.
Wir huschten hinterher, immer möglichst so, dass wir nicht gesehen werden. Ein paar Mal hat er sich umgesehen und irgendwie genau in unsere Richtung geschaut, aber jedes Mal ist er weitergegangen. Puh!
Jetzt kamen wir zu einer großen Lichtung. Und ihr glaubt nicht, was wir da sahen: auf der Erde, ziemlich in der Mitte der Lichtung, lag ein Fuchs. Er schien eine Verletzung an der Pfote zu haben, denn er hielt sie so, dass sie möglichst wenig berührte. Als Rick auf die Lichtung trat, sah der Fuchs auf. Aber er lief nicht weg.
Rick sagte: „Hey, ich habe dir etwas zu essen mitgebracht! Aber erstmal muss die Salbe auf deine Pfote, damit sie wirken kann während du isst. Ich weiß, es nervt dich, auf Versorgung angewiesen zu sein. Aber es geht nun einmal nicht anders, bis deine Pfote wieder geheilt ist. Außerdem habe ich diesmal noch Mullbinden mitgebracht. Dann wischst du die Salbe nicht so leicht ab!“
Der Fuchs knurrte. Dann hörten wir ihn zum ersten Mal sprechen: ‚Schon wieder Menschenmedizin? Und Menschenessen? Du weißt doch genau, dass ich das nicht will. Und wie kannst du dir überhaupt sicher sein, dass sie auf einen Fuchs genauso wirken wie für Menschen?‘ Der Fuchs sprach über Gedankensprache, also war er auch ein Woodwalker!
„Die Medizin ist aus dem Internat. Ich glaube kaum, dass die da Medizin haben, die Wandlern schadet. Außerdem habe ich dir nur Salbe mitgebracht und keine Tabletten, das ist etwas ungefährlicher. Und jetzt halt gefälligst stille, sonst tu ich dir weh.“
Der Fuchs knurrte unwillig, tat aber, was Rick verlangte. Wir sahen zu, wie er die Pfote des Fuchses einschmierte und verband. Und eine Weile ging alles gut. Doch dann kam ein kleiner Vogel angeflogen. Und setzte sich vor mir ins Laub.
Ich fuchtelte mit den Armen. „Hau ab!“, zischte ich. Aber anscheinend nicht leise genug. Denn jetzt drehte sich Rick in unsere Richtung. Und er kam auf uns zu. Ich sog tief Luft ein. Dann sagte Rick: „Ich weiß, dass ihr da drin seid. Leute, kommt raus.“
Mist, wir waren aufgeflogen! Und natürlich jetzt, wo es zu spät war, flog der Vogel zwitschernd davon. Lachte der mich etwa aus?!
Da es keinen Zweck hatte, sich weiter zu verstecken, traten wir aus dem Gebüsch heraus.
„Was tust du hier mitten in der Nacht im Wald?“, fragte ich geradeheraus.
„Und glaub nicht, dass du uns irgendwie abwimmeln kannst“, fügte Feline hinzu. „Wenn wir merken, dass du lügst oder uns einfach gar nichts erzählst, sagen wir Sherry Rivergirl, dass du aus ihrer Vorratskammer geklaut hast.“ Damit hatte sie ihren Trumpf ausgespielt.

Rick zog eine Augenbraue hoch. „Na schön. Mein Bruder hat sich die Pfote verletzt und kann deshalb nicht jagen gehen. Also bringe ich ihm zu essen und Medizin. Zufrieden?“
Also war der Fuchs auf dem Boden Ricks Bruder? Gut, man musste schon zugeben, dass die beiden sich ähnlich sahen… Vor allem dieser mürrische Blick, den sie gerade beide aufgesetzt hatten. Ich unterdrückte ein Grinsen.
„Aber warum bringst du ihn nicht zum Internat?“, fragte Avary leicht verwirrt. „Er ist doch ein Woodwalker. Und du müsstest nichts mehr klauen. Dein Bruder könnte sogar im Internat wohnen und würde hier draußen nicht frieren.“
‚Ich friere hier draußen nicht!‘, knurrte der Fuchs nun unwillig. ‚Ich habe ein dickes Fell!‘
„Na gut, aber trotzdem wäre es doch schlauer, oder?“
Rick knirschte mit den Zähnen. „Mein Bruder will nicht“, maulte er. „Es war ja schon schwierig genug, ihn dazu zu überreden, sich von mir versorgen zu lassen. Aber er weiß genau, dass er sonst nur schwierig überleben könnte.“
‚Ich bin ein wilder Fuchs!‘, fauchte dieser nun. „Andere Füchse verletzen sich auch mal und überleben trotzdem.“
„Andere Füchse leben auch im Rudel, das sie im Notfall versorgen kann!“, erwiderte Rick, nun auch sichtlich genervt – unter anderem von der Sturheit seines Bruders.
„Leute, nicht streiten!“, rief Feline. „Lasst uns gemeinsam eine Lösung finden.“
Die Brüder sahen nicht so aus, als wäre das ihre Stärke, geschweige denn dass sie es überhaupt wollten. Aber sie widersprachen auch nicht und so fuhr Feline ungeachtet ihrer mürrischen Mienen fort: „Fuchs-Junge, wie heißt du?“
‚Tomek‘, antwortete dieser.
„Und es nagt an deinem Selbstbewusstsein, dass du nicht jagen kannst, habe ich Recht? Nun ja, Sherry Rivergirl kennt sich mit Verletzungen aus.“ Sie sah Tomek herausfordernd an. „Wenn du dich von ihr verarzten lässt, kannst du schneller wieder jagen gehen.“
‚Und wenn ich nicht will?‘
„Dann bist du ein äußerst dummer Fuchs.“
Das ließ sich Tomek nicht bieten. Er knurrte Feline an: ‚Was bitteschön haben Gefühle mit Dummheit zu tun?‘
„Jemand schlaues überlegt nicht nur, wie er sich jetzt fühlt, sondern auch, wie er sich in Zukunft fühlen wird.“
Das konnte er so natürlich nicht auf sich sitzen lassen. ‚Also gut. Du bist echt noch sturer als Rick! Und das will echt was heißen.‘ Er knurrte noch einmal, kam aber mit.

So machten wir uns zu fünft auf den Weg. Wir konnten Tomek nicht dazu überreden, sich abholen zu lassen, dazu war er einfach zu stolz. Mal abgesehen davon wäre es schwierig geworden, im Wald mit irgendeinem Gefährt mit Rädern durchzukommen. Also liefen wir. Wir waren zwar im Bereich des Schulgeländes, aber trotzdem war es ein ganzes Stück und Tomek sah ganz schön geschafft aus. Aber er beklagte sich nicht und er wollte auch nicht Pause machen. Sturer Junge.

 

 
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