Bärbels Blog-Eintrag vom 29. Juni 2008:

88 - Ich und die glühende Leidenschaft

Liebes Tagebuch

heute habe ich gewartet, bis es in der Wohnung still war und dann habe ich mich auf sanften und leisen Pfoten rausgeschlichen... Tür auf, aus dem Haus, Richtung: Wald. Ich wollte die kleine Waldelfe von gestern, die auf meinem Kopf gesessen hat, unbedingt wiedersehen. Ich wollte ihr so viele Fragen stellen: Warum leuchtest du? Was machst du tagsüber? Wen beschützt du? Was isst du?

Im dunklen Wald angekommen, sehe ich die tausend Lichtlein leuchten. Ich habe ganz leise gerufen: „Hallo kleine Waldelfe von gestern, die auf meinem Kopf gesessen hat. Wo bist du?“

Ich hätte sie zwar gerne mit Namen angesprochen, aber leider haben wir bei dem ganzen Durcheinander vergessen, uns vorzustellen! Und, liebes Tagebuch, du willst wissen, warum ich LEISE gerufen habe? Du warst wohl noch nie nachts in einem dunklen Wald, in dem dir nachts zuvor eine kleine Waldelfe auf deinem Kopf gesessen hat?! Die ganze Atmosphäre ist so unheimlich, dass man einfach nur leise rufen kann.

Ich rufe noch einmal, noch athomsphärisch-leiser. Und dann passiert das Unglaubliche, aber Erhoffte: plötzlich taucht aus dem Meer der vielen Lichtlein ein einzelnes Lichtlein hervor und fliegt auf mich zu und setzt sich auf meine Nase.

„Hallo, Bärbel! Da bist du ja“ säuselt mir die kleine Waldelfe ins Ohr! „Toll“, denke ich so bei mir, Waldelfen wissen immer die Namen von jedem und ich dummer Hund muss nachfragen!“. Dann fasse ich mir ein Herz und flüstere: „Wie heißt du denn?“

Sie kichert mir zur Antwort: „Ich heiße Klewavoge! Aber warum flüsterst du denn?“

Und ehe ich antworten kann, spricht sie mit klarer Stimme weiter: „Ich wusste, dass du wiederkommst. Und ich freue mich darüber!“ Und ich sehe wie Klewavoge von meiner Nase fliegt und ich erkenne etwas, was mir bislang verborgen geblieben ist.

Ich sehe, wie sie in ihrer winzigen rechten Hand einen winzig-kleinen Zauberstab hält. Plötzlich berührt sie mit diesem Zauberstab meine Nasenspitze. Das kitzelt und ich muss niesen und lachen. Und wie ich mich mit meinen Hinterbeinen kratzen will, sehe ich, dass ich keine Hinterbeine mehr habe. Da, wo vorher meine Beine waren, ist nur noch ein länglicher, behaarter Körper. Ich sehe, wie von dieser Körperwurst mein Fell verschwindet. Nach zwei Minuten habe ich kein einziges Haar mehr. Plötzlich fängt mein unbefellter Körper an zu glühen. Und Klewavoge wächst und wächst. Nein, das stimmt nicht. Klewavoge behält ihre Größe, aber ich schrumpfe und schrumpfe. Ich schrumpfe bis ich so kleine wie Klewavoge bin.

„Und nun, liebe Bärbel, komm und flieg’ und leuchte mit mir! Alle Fragen, die du mir stellen wolltest, kannst du dir nun bald selber beantworten.“

„Und werde ich Michael und Axel wiedersehen?!“

„Ja“, antwortet Klewavoge, „das wirst du, wenn sie hier in den Wald kommen. Aber sie werden dich nicht erkennen! Und nun komm!“

Und Klewavoge fliegt davon.

Ich will hinterher fliegen, aber ich merke, dass ich noch gar keine Flügel habe...

Plötzlich berührt mich eine Nase.

„Wach auf, du hast schlecht geträumt“ sagt die Nase zu mir. Und ich erkenne, dass der Rest der Nase zu Fijou gehört.

„Gestrampelt hast du, als ob du abheben wolltest. Und gebellt hast du, ganz leise. So was wie ‚We-Wau-Wo-We’. Völlig dummes Zeug!“ lacht Fijou.

Und weil Fijou meine beste Freundin ist, kann ich ihr alles anvertrauen. Und ich habe ihr von meinem Traum erzählt!

Und weil Fijou meine beste Freundin ist, muss sie sich auch alles bis zum Schluss anhören!

Und weil Fijou meine beste Freundin ist, muss sie natürlich noch was dazu sagen: „Bärbel, unser Glühwürmchen“ ist ihr Kommentar und dann trabt sie kopfschüttelnd davon.

Durch emsiges Suchen von Informationen geht mir ein Licht auf: Es handelt sich im Wald gar nicht um echte Waldelfen, sondern um Glühwürmchen. Und die Würmchen leuchten. „In den meisten Fällen werden die Leuchtsignale ausgesendet, damit männliche und weibliche Tiere zur Paarung zueinanderfinden.“ (Den Satz habe ich abgeschrieben!)

Da war dieses nächtliche Rumgeblinke nur ein Zeichen glühender Leidenschaft und unendlicher Zuneigung? Interessant!

Jetzt, liebes Tagebuch, bleiben nur zwei Fragen offen:

  1. Wenn das keine Waldelfen waren, wie sehen dann echte Waldelfen wirklich aus?
  2. Wie ist nur die „Kleine Waldelfe von gestern“ auf den interessanten Namen „Klewavoge“ gekommen?

Gute Nacht, liebes Tagebuch,

Deine Bärbel


 

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