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ob mich mein schlechtes Gewissen plagt? Nur weil ich so lange nicht in dich reingeschrieben habe? Nein, doch – ist mir gar nicht aufgefallen. Nicht böse sein, aber ich hatte immer so viel um die Schlappohren... nichts wirklich Außergewöhnliches, nur der normale Alltagswahnsinn!
Aber heute Abend haben die Menschen wieder den Vogel abgeschossen. Was ist passiert? Nun, liebes Tagebuch, das will ich dir erzählen:
Die Eltern von Axel sind zu Besuch gekommen, um sich abends im Dunkeln den Wald anzusehen!
Verstehst du den Witz, liebes Tagebuch: im Dunkeln – ansehen – Menschen (die in der Regel schon am helllichten Tage das Meiste übersehen).
Wären jetzt Axel und Michael und Axels Eltern Eulen, würde ich sagen: „Klasse Idee, ihr lieben Eulen. Toller Wald im Dunkeln. Schnappt sich jeder jetzt mal schnell eine Mitternachtssnack-Maus und dann heult mal schön um die Wette!“
Aber was sagt man in solchen Fällen Menschen: „Halbklasse Idee, ihr lieben Menschen. Gefährlicher Wald im Dunkeln. Geht langsam, damit ihr nicht vor einen Baum rennt. Und wenn ihr davor rennt, dann heult mal schön um die Wette!“
Jetzt war es also schon von Vorteil, dass Michael und Axel nicht direkt auf einen Kommentar von mir gewartet haben, weil sonst wieder der ganze Abend mit einem Hauch von schlechter Laune überzogen worden wäre.
Also, es klingelt und Axels Eltern stehen vor der Tür. Sie kommen kurz rein, begrüßen uns alle... und wollen los. Mein flehender Blick Richtung Taschenlampe wird von keinem Menschen wahrgenommen. Soll keiner im Nachhinein sagen, ich hätte nichts angeguckt! Es geht los Richtung Wald.
Schnurstracks dem Unglück entgegen! Wie Motten vom Licht werden Michael, Axel und seine Eltern von der Dunkelheit des Waldes angezogen!
Dunkelheit?
Kaum, dass wir gemeinsam den Wald betreten und es eigentlich dunkel werden müsste, schwirren unendlich viele kleine Lichter durch den Wald.
Michael, Axel und Axels Eltern sind gerührt: „Wie kleine Elfen!“ sagt einer.
Und dem Charme der kleinen Lichter kann auch ich mich nicht entziehen!
„Früher“ sagt Axels Mama „habe ich auch schon ein paar gesehen – aber so viele noch nie!“
Und alle nicken vor Entzücken.
Wenn man versucht, vorsichtig – ganz vorsichtig – ein Lichtlein zu berühren, löscht es sich aus und es ist an dieser Stelle dunkel.
Ganz schön raffiniert!
Und plötzlich nimmt so ein Lichtlein auf meinem Kopf Platz und leuchtet weiter.
Die Menschen sehen das und lachen ausgelassen: „Guckt mal, Bärbel hat eine Krone auf dem Kopf!“ oder „Bärbel geht ein Licht auf!“ schallt es durch den Wald. Nur ich bleibe still und genieße: ich bin stolz auf meine Erleuchtung und das Vertrauen, welches mir die kleine Waldelfe entgegen gebracht hat. Und langsam, ganz langsam verglüht das Lichtlein und dann fliegt etwas Unbeleuchtetes von meinem Kopf weg.
Tschüß, sage ich leise.
Und dann machen wir uns auf den Heimweg. Das Meer voller kleiner Lichtlein lassen wir hinter uns im Wald.
Gute Nacht
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