Mein letzter Weg
von Evii, 14 Jahre
Bevor ihr zu lesen beginnt: Die Geschichte spielt zur Zeit des 2. Weltkrieges und es geht um ein jüdisches Mädchen in einem Konzentrationslager, die eines Tages aufwacht und merkt, dass es ihr letzter Tag ist.
Viel Spaß
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"Aua, pass doch auf."
Unsanft drängte mich jemand zur Seite. Ich knallte gegen die Wand, nur um dann wieder eine starre Hand zu spüren, die mich zurück riss.
"Wen du nicht gleich wieder an die Arbeit gehst, passiert etwas!", hörte ich eine raue Stimme die mich anbrüllte. Ich nickte.
Meine Arbeit? Steine von einem Ort zum anderen zu transportieren. Mehr tue ich oftmals nicht. Aber dafür übe ich diese Arbeit oftmals über Stunden aus.
Ich lebe hier in einem Arbeitslager, besser gesagt in einem Konzentrationslager. Ich bin Jude. Ja, und deshalb darf ich hier Tag und Nacht arbeiten. Seit kurzem bin ich auf mich allein gestellt. Meine Familie ist tot. Ich habe hier niemanden außer... Amilia. Die einzige, die ich hier habe. Und die einzige, der ich vertraue.
"Faules Stück", schrie jemand, kurz darauf spürte ich einen stechenden Schmerz in meiner Hüfte. Schluchzend sank ich zu Boden, nur um noch einen Hieb zu bekommen.
Brutalität gegenüber uns Juden war nichts Neues. Wir sind gerade in der Zeit des zweiten Weltkrieges und der Alltag von uns Juden hier ist jeden Tag der gleiche. Arbeiten, Schmerzen, Angst und die Hoffnung, nicht der nächste zu sein, der den Gang antreten muss. Den Gang in die Kammer. Den Gang in den Tod.
"Talia?"
Jemand rüttelte an meiner Schulter. Amilia. Ich atmete erleichtert ein.
Ein schriller Pfiff ließ uns zusammenzucken. Ich hörte jemand brüllen, dass es wieder Zeit wurde. Zitternd stand ich auf.
"Alles wird gut", wipserte Amilia zu mir.
Sie sagte es jedes Mal. Immer. Und immer beruhigte es mich. Auch dieses Mal, als ich bemerkte, dass es schon wieder weniger Arbeiter geworden waren.
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Ich bin frei. Ich kann laufen wohin ich will und niemand will mich umbringen. Ich und Amilia rennen lachend über die Straße und niemand hält uns auf. Wir beide tragen vornehme Kleider, unsere Haare sind zu zwei Zöpfen zusammengebunden und jeder hat wunderbare Laune. Zusammen laufen wir in ein großes Haus, zwei Frauen erwarten uns lachend, umarmen uns und lachen darüber, wie groß wir geworden sind. Zusammen rennen Amilia und ich in unser Zimmer. Puppen, ein sauberes Bett und jede Menge Platz. Vorsichtig nehme ich eine Puppe und schaue aus dem Fenster. Bekannte Gesichter laufen vorbei. Ich lächle und lasse mich aufs Bett fallen.
Frei. Wir sind frei. Es ist vorbei. Alles ist vorbei.
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Ich schrecke hoch. Nein, das kann nicht sein. Wo sind all die wunderbaren Dinge? Unser großes Zimmer... ich.. Ich bin immer noch hier. Eingesperrt und verlassen. Schluchzend vergrabe ich mein Gesicht in den Händen. Jemand tritt mich ans Bein.
"Steh auf."
Wie in Trance stehe ich auf und bemerke, wie die anderen Arbeiter auch langsam alle aufstehen.
Nein... Nein. Bitte nicht. Das kann nicht sein. Wieso wir und wieso jetzt? Was haben wir getan? Nichts. Was haben wir Juden verbrochen? Ich schreie.
Jemand packt mich am Arm und zieht mich mit.
"Wir müssen da durch, Talia. Alles wird gut."
Doch diesmal bemerke ich große Angst auch in Amilias Stimme. Beruhigt werde ich nicht, im Gegenteil. Mein Herz rast wie verrückt. Die vielen Menschen, die weinend und schreiend aus der Baracke laufen, drängen mich immer weiter nach vorne. Ein paar liegen auf dem Boden. Sofort werden diese gezwungen, aufzustehen.
Wir laufen einen nassen Kiesweg entlang, es regnet. Ich starre auf die Soldaten, die nicht von uns weichen. Auf unserem letzten Gang stehen sie neben uns. Unser letzter Gang. Der Gang in den Tod. Ich höre Schüsse und einen Schrei.
"Wer sich weigert, muss sterben...", brüllt jemand. Sterben müssen wir alle. Wir sterben alle... wir sterben... Wir betreten einen kleinen Vorraum mit Kleiderhaken. Am Ende des Raumes sehe ich eine schwere Eisentüre. Die Türe zur Kammer des Todes.
"Ausziehen", höre ich jemand rufen.
Langsam lege ich meine Arbeiterkleidung ab. Gleich... gleich werde ich diesen Raum betreten und sicher sein, dass ich ihn lebend nicht mehr verlasse. Kurz sehe ich noch nach draußen bis die Türe verschlossen wird.
Nun war ich zum letzten Mal draußen.
"Rein da!"
Die Türe steht offen. Ich bleibe stehen. Doch das Gedränge reißt mich und Amilie mit. Wir fassen uns an den Händen. Beide weinen wir. Der Raum ist stickig und heiß. Ich lehne an der Wand und sehe mir die Gesichter an. Angst und Trauer. Das ist nicht fair. Das ist unfair. Ich schreie so laut, wie ich kann. Nein das kann nicht sein. Ich höre wie die Türe geschlossen wird.
"Ich werde dich vermissen Amilia."
"Wir sehen uns wieder Talia."
Dann merke ich, wie die Klappen an der Decke geöffnet werden und etwas in den Raum gelassen wird. Ich höre Schreie. Immer wieder Schreie. Ich zittere. Die Luft wird mir immer knapper. Neben mir kippt Amilia zur Seite. Langsam gleitet sie an der Wand nach unten und bleibt dann regungslos liegen. Immer wieder höre ich das Geräusch bewusstloser Körper, die auf den Boden sinken.
Ich schließe die Augen. Frei sein ... gleich bin ich es. Dann kippte ich um. Mit letzter Kraft nahm ich Amilias Hand.
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Diese Geschichte ist mir natürlich nicht passiert. Aber schon einmal daran gedacht, wie viele unschuldige Menschen dadurch sterben mussten?
Die Idee zu dieser kurzen Geschichte bekam ich erst dadurch, das wir den Film "Der Junge im gestreiften Pyjama" ansahen. Hoffe, dass sie euch gefallen hat x3
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