Stadtgeflüster (Teil 13)

von Jessi Bullock Kizzz, 14 Jahre


 

Huii, noch ein Teil. Viel Spaß!

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Die nächsten Tage wurde ich von Mel und Demp nicht beachtet, nur Marie schaute mich manchmal traurig an. Ich versuchte die drei zu ignorieren und hing nur noch mit Cindy und Lena - der das gar nicht gefiel - ab. Wir mussten eine Schnitzeljagd auf dem Gelände der Herberge machen und statt die Lösungen selbst herauszufinden, liefen wir immer Ben und seiner Gruppe hinterher, um dann die Lösungen, die wir hörten fein säuberlich abzuschreiben.
Ein anderes Mal besuchten wir ein Geschichtsmuseum in einer andern Stadt. Danach hatten wir ein bisschen Freizeit um Shoppen zu gehen. Cindy hatte einen ganz bestimmten Geschmack und ging nicht, wie jeder andre, in einfach alle Läden rein, nein, die Läden in die Cindy ging, mussten ein bestimmtes Niveau haben. Dieses „Niveau“ spiegelte sich allerdings im Preis wieder. Insgesamt fanden wir nur 5 Geschäfte, die Cindys Vorstellungen halbwegs entsprachen und nachdem sie sich vollständig neu bekleidet hatte, zwang sie Lena und mich auch etwas zu kaufen. Ich hatte nicht viel Geld bei mir, also kaufte ich mir in der Accessoire-Boutique „Claire’ s“ einen blauen Schal für 10 € und einen Lipgloss für 7.50 €. Ich verstand allerdings nicht, warum man für ein bisschen Farbe so viel Geld verlangen konnte. In dieser 10ml Tube war ja kein reines Gold drin, oder so.
Abends blieb ich immer lange bei Cindy und Lena im Zimmer um nicht bei den anderen sein zu müssen. Mel, Marie und Demp hörten immer auf zu reden, wenn ich reinkomme, sodass ich das Gefühl hatte, sie würden über mich reden. Sobald ich im Zimmer war, herrschte eisige Stille. Keiner sagte was und auch ich traute mich nicht etwas zu fragen oder mich zu entschuldigen. Zu groß war die Angst vor einer Zurückweisung.

Eines Abends, ich kam schon etwas früher ins Zimmer, da ich müde war, war aber alles anders. Trotz meiner Anwesenheit unterhielten sich die drei lautstark miteinander. Mel suchte etwas in ihrem Koffer und Marie und Demp robbten auf dem Boden herum und schauten unter die Betten.
„Sucht ihr was?“, fragte ich leise.
Marie schaute Mel und Demp an, doch als sie keine Reaktion zeigten, stand sie auf und setzte sich auf mein Bett.
„Mel hat ihre Kamera verlegt. Sie kann sie nicht mehr finden“, sagte sie.
Ich schaute Mel an. Sie schmiss allen Inhalt ihres Koffers auf den Boden und durchsuchte ihren Rucksack. Nichts.
„Soll ich euch helfen?“, fragte ich Marie.
Ich war ihr sehr dankbar, dass sie mit mir sprach.
„Nein, ist schon in Ordnung. Du kannst schon mal ins Bad gehen. Wir sind dann auch gleich fertig."
Ich nickte und ging zu meinem Koffer. Als ich meinen Kulturbeutel herausnahm, fiel etwas Schwarzes polternd zu Boden. Alle drehten sich augenblicklich um und schauten mich an.
„Meine Kamera“, schrie Mel und rannte auf mich zu. „Du…“, fauchte sie und funkelte mich wütend an. „Das hätte ich echt nicht von dir gedacht.“
Ich brauchte zwei Sekunden um zu verstehen, was sie meinte. Mel dachte, ich hätte ihre Kamera absichtlich in meinem Koffer versteckt? Sie dachte, ich hätte sie geklaut? Ich klappte den Mund auf und wieder zu. Kurzzeitig bekam ich keine Luft, doch dann fasste ich mich und antwortete: „Mel, glaub mir, ich habe sie nicht genommen. Ich…“
Hilfesuchend blickte ich zu Marie. Sie war die Einzige, die mir hätte helfen können. Doch als ich sie anschaute, schüttelte sie enttäuscht den Kopf und drehte sich weg. Langsam bekam ich Panik.
„Glaubst du, ich könnte so was tun? Eine Kamera klauen, noch dazu, wenn sie einem Mädchen gehört, von dem ich dachte, sie wäre meine Freundin?“
Demp sah mich verbittert an.
„Wer ist denn zu Cindy gegangen? Das war sicher nicht Mel“, zischte sie.
„Dem, ich...“, bevor ich ihren Spitznamen zu Ende gesprochen hatte, knurrte sie: „Nenn mich nicht Demp, Verräterin.“
„Sabrina“, versuchte ich es wieder. „Ich, ich weiß, dass ihr mir nicht glauben werdet, doch ich schwöre euch, dass ich die Kamera nie angefasst habe.“
Mel schaute mich verbittert an. „Schwöre nicht, Lana. Jeder kennt die Wahrheit“, sagte sie eiskalt.
Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nicht glauben, dass sie dachten, ich hätte etwas geklaut. Nachdem ich aus dem Zimmer trat, liefen die Tränen meine Wangen runter. Schluchzend stürmte ich in Cindys Zimmer.
„Jemand hat Mels Kamera in meinen Koffer gelegt“, heulte ich „und, und sie denken, dass ich sie geklaut hätte.“
Cindy schaute von ihrer „Joy“ auf und guckte mich fragend an. „Man, ich lese grade einen Artikel über Lindsey Lohan. Was ist daran so schlimm, dass sie denken, du hättest das Teil geklaut? Warum hast du’s so schlecht versteckt, dass sie’s finden konnten?“
Ich starrte Cindy entgeistert an. „Ich habe die Kamera nicht geklaut!“, schrie ich sie an.
„Komm schon Lana, mir musst du nichts verheimlichen. Jeder hat schon mal was geklaut. Stimmt’ s Lena?“, antwortete Cindy in einem ruhigen Ton und ließ ihr Kaugummi klauen.
Lena nickte und lachte mich siegessicher an.
„Du glaubst mir auch nicht? Und ich dachte du wärst meine Freundin?!“, rief ich enttäuscht und rannte zur Tür hinaus.

Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte. Zu Mel konnte ich nicht, Cindy war für mich gestorben und Frau Weller oder Herr Lieberer? Keine Chance, ich brauche keine Lehrer um mit meinen Problemen fertig zu werden. Ich lief die Treppe runter und ging in den Hof. Ich hörte einen Ball, der immer wieder auf den Boden geprellt wurde. Das Geräusch beruhigte mich und zog mich in seinen Bann. Wie im Rausch lief ich auf den Basketballplatz zu. Ben war dort und übte ein Paar Wurftechniken. Mist, der hatte mir gerade noch gefehlt. So leise wie möglich versuchte ich mich an ihm vorbei zu stehlen. Doch er bemerkte mich.
„Hey Lana, was geht“ rief er mir zu.
Da bemerkte er mein Tränen verschmiertes Gesicht.
„Was ist passiert?“, fragte er besorgt, kam auf mich zu und setzte mich auf eine Bank.
„Ich…ich…“ Ich schaute in seine schönen schokoladenbraunen Augen, die mich mit Besorgnis anschauten. Da floss alles aus mir heraus. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte, vom Café angefangen. Unglücklicherweise konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Peinlich, ich heule vor einem Jungen, und dann noch vor Ben. Jetzt hält er mich sicher für eine heulende arrogante Tussi.
Aber so war es nicht. Nachdem ich die Geschichte fertig erzählt hatte, setzte er sich neben mich und nahm mich in den Arm. In dieser Sekunde fühlte ich mich beschützt und verstanden. Ich merkte gar nicht, dass die Arme, in denen ich lag, zu Ben gehörten, sondern einfach nur die Arme eines guten Freundes waren.
„Komm mit, ich möchte dir was zeigen“, flüsterte er mir ins Ohr, nachdem er mich beruhigt hatte.
Er nahm meine Hand und zog mich von der Bank hoch, in den Wald hinein. Ein paar Minuten später kamen wir an einer kleinen Hütte an, die auf einer schönen hellen Lichtung stand. Gebannt staunte ich über die Schönheit der Natur.
„Du bist wirklich einzigartig, Lana Miller“, flüsterte er mir nach ein paar Minuten der Stille zu. „Ganz anders, als die anderen Mädchen, die ich jemals getroffen habe.“
Schlagartig wurde mir wieder bewusst mit welchem Jungen ich mich hier befand. Es war nicht irgendeiner, nein, es war Ben. Der Schwarm aller Mädchen und er fand mich einzigartig. Glücksgefühle stiegen in mir hoch.
„Da, danke“, antwortete ich und wurde rot.
Er lächelte mich an.
„Ich habe mich in dich verliebt“, hauchte er in mein Ohr und drehte seinen Kopf langsam zu mir.
1000 Gedanken schwirrten jetzt in meinem Kopf und das Blut pulsierte in meinen Adern. Als er seine weichen Lippen auf meine drückte, hörten die Stimmen in meinem Kopf auf und das Blut schien wie eingefroren. Ich sah, hörte und roch nichts mehr. Ich spürte nur seine Lippen auf meinen. Langsam ließ ich mich treiben, ließ ihn machen, denn ich konnte nichts tun. Nicht denken, nicht atmen, geschweige denn etwas sagen. Seine Küsse wurden immer schneller, heftiger und auch wilder. Auf einmal setzte mein Kopf wieder ein und mein Blut lief wieder durch meinen Körper. Ruckartig zog ich meinen Kopf weg und schaute in Bens Augen.
„Ben, ich…“
Er ließ mich nicht ausreden, wollte mich wieder küssen. Es war als wäre ich eine Droge, ohne die er nicht leben konnte. Er verlangte nach meinen Lippen. Doch ich wollte nicht. Sachte stieß ich ihn weg und trat einen Schritt zurück.
„Lass mir etwas Zeit“, sagte ich zu ihm, doch er hörte nicht. Wie ein wildes Tier schlang er seine Arme um mich und zog mich an sich.
„Ben, nein“, schrie ich jetzt. Ich schubste ihn etwas kräftiger davon und machte ein paar Schritte zurück.
„Du willst es, ich weiß es.“
Langsam bekam ich Angst vor ihm. Nichts mehr deutete auf den fürsorglichen Ben hin. Das, was mich da wütend anblickte, war ein Vampir, der schon mehrere Monate kein Blut mehr gesehen hatte. Und ich war das Schaf, das ängstlich an einer Felswand lauerte, bereit zu sterben. Doch ich wollte nicht. Mit einem Satz drehte ich mich um und rannte los. Immer tiefer in den Wald. Wieder einmal kamen mir die Tränen.
„Eingebildete Tussi“, rief Ben mir hinterher. „Ihr seid doch alle gleich.“
Durch den Tränenschleier sah ich kaum was und wusste auch nicht wo ich mich befand und wo ich hinmusste. Ich sah nichts, auch nicht den Ast, der mir den Weg versperrte. Ich rannte einfach weiter. In hohem Bogen flog ich über etwas, was auf dem Boden gelegen haben musste. Als ich wieder aufkam hörte ich ein Knacken in meinem Fuß und stieß mir den Kopf an einem Baum an. Danach wurde alles schwarz.

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Hoffe, dass er euch gefallen hat! Bitte, bitte kommentiert auch! Die letzen vier Teile hatten beinahe keine Kommentare :( das macht traurig und spornt nicht an weiter zuschreiben. Also pls Kommis :)
Kizzz , eure Jessi

 

 

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