Tiernachrichten Heute: Die Katze

Mittwoch, 21. Februar 2018
Herausgegeben von Leni2007

Die rosa Katze

von Sophia

Es war einmal eine Höhle, in der ausschließlich Katzen lebten. Insgesamt waren es bestimmt an die 150 Katzen, die hier ihr Zuhause hatten. In dieser Höhle hatten die Katzen viele Tunnel gegraben, so dass man hier gut leben konnte. Hier lebten große und kleine, dünne und dicke Katzen. Die Felle waren rötlich, schwarz und grau, ob einfarbig, gefleckt oder auch mit Streifen auf den Rücken, es gab alles. Doch eines Tages wurde eine Katze geboren, die hatte rosafarbenes Fell.
„Das ist doch keine Katze mehr!“, riefen die anderen Katzen und traten und bissen die arme, rosa Katze. Nur die Katzenmutter und der Katzenvater sorgten sich um es. Die Geschwister waren auch nicht sonderlich böse zu der rosa Katze, aber spielen taten sie auch nicht mit ihr.
Die rosa Katze war sehr traurig, denn wenn sie fragte: „Willst du mein Freund sein?“ oder: „Darf ich mitspielen?“, wurde sie fort gejagt und sie hockte wieder ganz alleine da.
Warum mögen die anderen mich nicht, fragte sich die rosa Katze. Ich kann ja nichts dafür, dass ich anders aussehe.
Also hockte sie traurig einsam da und sah den anderen Katzen beim spielen zu. Doch beim Zuschauen, wie die anderen sich vergnügten, wurde die arme, rosa Katze nur noch trauriger und sie ging rein.

Die Katzenmama hatte zum Mittagessen das Lieblingsessen der rosa Katze zubereitet: Mäuseauflauf. Der Katzenvater war auch von seiner Arbeit gekommen. Er arbeitete als Höhlenforscher. Nicht, dass die Katzen sonderlich Interesse an Höhlen hatten, doch dort gab es sehr viele Mäuse zum Fressen. Und der Katzenvater besah sich bei seiner ernsten Arbeit die Höhlen, um zu schauen, ob es dort Mäuse gab.
„Und? Hast du Freunde zum Spielen gefunden?“, wollte die Katzenmama eim Mittagessen wissen.
„Leider nicht“, miaute die rosa Katze traurig.
„Mach dir nichts daraus“, tröstete der Katzenvater. Er schlug die Zeitung auf, dann deutete er auf einen Artikel. „Willst du nicht bei der Wollknäuelmannschaft teilnehmen? Du brauchst unbedingt Beschäftigung. Keine Beschäftigung ist sehr ungesund für kleine Katzen in deinem Alter.“
Die Wollknäuelmannschaft war das bei den Katzen, was bei uns Menschen Volleyball ist. Nur dass die Menschen Volleybälle benutzen und die Katzen eben Wollknäule.
Die rosa Katze schüttelte den Kopf. „Die mögen mich doch dann in der Mannschaft alle nicht.“
Die Katzenmama seufzte besorgt und räumte den Tisch ab und der Katzenvater vertiefte sich in die Sportseiten.
Am nächsten Tag saß die rosa Katze wieder ganz allein da, als ein dicker, größerer Kater im Teenageralter einer kleinen, hellgrauen Katze mit der Faust drohte und dann anfing sie zu verprügeln. Da konnte sich die rosa Katze nicht mehr fassen und sprang wütend fauchend auf den Rücken des Katers. Der sprang erschrocken auf und fiel auf den Rücken. Durch das jämmerliche Miauen der kleinen, grauen Katze waren viele andere Katzen und Kater gekommen und hatten gesehen, wie die rosa Katze die kleine, graue Katze gerettet hatte. Die rosa Katze wurde groß gefeiert und alle entschuldigten sich bei ihr. Es war ein wahres Happy End und am Abend war noch die Krönung: Mäusepizza und Fischsuppe!
Und ein paar Wochen später war die rosa Katze schon die beste Spielerin in der Wollknäuelmannschaft!
Nun, eigentlich wäre diese Geschichte der rosa Katze schon zu Ende, doch es gibt da doch noch was zu erwähnen. Wir springen mal ein Jahr vor. Und welcher Tag? Nun, die rosa Katze hatte die kleine Katze am 15. Juli 2015 gerettet. Also springen wir mal in den 15. Juli 2016.
Am 15. Juli 2016 wollte Herr Meier sein Haus mit rosa Farbe streichen. Unter Herr Meiers Haus lag die Katzenhöhle, in der die rosa Katze und alle anderen Katzen lebten. Herr Meier hatte große Metalleimer, in der rosa Farbe schwamm, an sein Haus geschleppt.
Auch unten in der Katzenhöhle wurde gearbeitet. Also, die Hirne der Katzen arbeiteten eifrig.
„Heute müssen wir unsere rosa Katze unbedingt feiern!“, raunte Max, ein kleiner, dunkelgrauer Kater.
„Aber wie?“, miaute Nelly, die niedliche, weiße Katzendame mit der hellrosa Schnauze.
Die anderen Katzen grübelten. Da hatte Bolle, ein orange-weiß gefleckter Kater, eine ausgezeichnete Idee! „Herr Meier streicht doch heute sein Haus und zufälligerweise in rosa Farbe! Wir springen alle in die Farbeimer, und dann ist nicht nur die rosa Katze, sondern auch wir rosa! Und dann besuchen wir sie!“
Die anderen Katzen fanden die Idee genial und Herr Meier musste entsetzt mit ansehen, wie an die 150 unterschiedlich farbige Katzen in seine Farbeimer sprangen und an die 150 rosafarbene Katzen wieder heraus sprangen.
Die richtige rosa Katze freute sich, als alle anderen Katzen in rosa Farbe vor ihr standen. Ab diesem Tag war der 15. Juli „Der Tag der rosa Katze“ und wurde in aller Welt gefeiert.
Und Herr Meier hat es bis heute nicht geschafft, sein Haus zu streichen.
ENDE

Woodwalkers - Katzenalarm (Fanfiction) - 1

von Liesa

Hallo ihr lieben Leser!
Endlich ist es wieder so weit: Kidsville hat geöffnet! Ich freue mich außerordentlich, euch heute eine Fanfiction des besten unübersetzten Buches, das ich je gelesen habe, präsentieren zu dürfen. Ich habe die Autorin um Erlaubnis gefragt und sie hat mir erlaubt, die Geschichte zu veröffentlichen. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön dafür!

Ansonsten wollte ich nur noch einmal darauf hinweisen, dass diese Geschichte noch keine 100%ige Endversion ist und ich hoffe, dass ich von euch nicht nur viel Lob (worüber ich mich natürlich auch sehr freue), sondern auch einige Verbesserungstipps bekomme, damit ich die Geschichte nach bestem Wissen und Gewissen überarbeiten kann.
Des Weiteren bleibt noch anzumerken, dass das, was in ‚einfachen Anführungszeichen‘ steht, in Wirklichkeit (nur) kursiv gedruckt ist, aber das wird ja hier nicht angezeigt, deshalb stehen hier diese Anführungszeichen, damit man sie sowohl von gesprochenen wört-lichen Reden als auch vom restlichen Text unterscheiden kann.
Nun möchte ich euch aber natürlich nicht noch länger auf die Folter spannen und wünsche euch allen ganz viel Spaß beim Lesen!

+++

Kapitel 1 - Avary
Fledermäuse - sie gelten als gruselige, blutsaugende, nachtaktive Wesen, die sich in Vampire verwandeln können und tagsüber in Höhlen hängen und schlafen.
Ich hing tagsüber leider nicht in Höhlen, sondern in der Schule und wurde ständig durch ewig nervende Lehrer vom Schlafen abgehalten. Und nachts, also gerade in diesem Moment wo diese Geschichte begann, hing ich gerade kopfüber an einem Baum und versuchte, einen panischen Hamster aus einer Plastikverpackung zu befreien.
Im Übrigen verwandle ich mich auch nicht in einen Vampir, sondern bloß in einen Menschen. Genau wie dieser Hamster unter mir, der sich gerade in einer erneuten Panikattacke nur noch mehr im Kunststoff verhedderte. Aber im Moment war er viel zu aufgeregt, um sich zu verwandeln. Beziehungsweise sie. Der Hamster ist nämlich meine beste Freundin und heißt Pauline. Von ihr weiß ich auch, dass Wesen wie wir Woodwalker heißen. Das hat sie von ihren Eltern gelernt. Mit denen ist sie in einem Käfig bei einer Familie aufgewachsen. Später wurde sie verkauft, an ein zickiges kleines Mädchen, das zuerst unbedingt ein Haustier haben wollte und später meine beste Freundin ausgesetzt hat, weil sie festgestellt hat, dass man mit Hamstern 1. nicht gut angeben kann, 2. nichts als Arbeit hat und 3. tagsüber mit Hamstern nicht gut spielen kann, weil diese eher nachtaktiv sind.
Jetzt schlief Pauline tagsüber, während ich in der Schule war, in meinem Zimmer. Nachts streiften wir gemeinsam durch die Gegend. Das Einzige, was an der Nacht für uns nicht gut war, war die Tatsache, dass die meisten Supermärkte zu sind. Also eigentlich alle in unserer Umgebung. Das ist deshalb ein Problem, weil Pauline nachts häufig Hunger bekommt – und zwar meistens genau auf die Sachen, die wir gerade nicht im Haus haben.
Diese Nacht beispielsweise war das ein Apfel. Also suchten wir einen Apfelbaum, um einen zu holen. Beinahe wäre alles gut gegangen: wir fanden einen hübschen Baum am Straßenrand, der geradezu dazu einlud, sich zu bedienen. Allerdings übersahen wir die kleine Plastikverpackung, die aus irgendeinem mir unerfindlichem Grund an dem Ast hing. Und so kam es, dass sich Pauline darin verfing. Natürlich war ich als beste Freundin verpflichtet ihr zu helfen, also hängte ich mich an den Ast über ihr und begann, an der Plastikverpackung rumzufummeln.

Zwischen den Panikattacken hörte ich sie mit Gedankensprache rumfiepen: ‚Danke Avery, du bist die beste Freundin überhaupt, alleine würde ich es nie schaffen, hier rauszukommen und dann würde ich hier hilflos verenden und oh, ist das schrecklich!‘ Und dann fing sie wieder an zu zappeln und ich hatte große Mühe, sie auf dem Ast zu halten und die Verpackung von ihr abzufummeln.
Wunder über Wunder schaffte ich es aber tatsächlich irgendwann, meine kleine Freundin war endlich frei und schnappte sich denn Apfel, auf den sie mittlerweile allerdings gar keinen Appetit mehr hatte. "Für später", beschloss sie.
Als wir uns wieder auf den Weg machten, fingen meine feinen Ohren das Geräusch eines Vogels ein. Seltsamerweise klang das Tier nicht nach einem von denen, die normalerweise nachts unterwegs sind. Und heute glaube ich, dass es ein Adler war. Ein Weißkopfseeadler, um genau zu sein.

Ein Weißkopfseeadler war es nämlich, der uns wenige Tage später ansprach. Wie sich herausstellte war es eine Woodwalkerin mittleren Alters, die nicht weit von hier entfernt ein Internat leitet. Sie stellte sich uns als Lissa Clearwater vor und lud uns ein auf ihre Schule, die Clearwater High, zu gehen.
"Ihr könnt dort viele Dinge lernen, sowohl Wichtiges für eure Tiergestalt, als auch Wissen, dass ihr als Menschen braucht. Ihr lernt, wie ihr in beiden Welten gleichzeitig leben könnt. Außerdem erfahrt ihr, wie man sich nachts Essen besorgt, ohne dass es zu kleineren oder größeren Katastrophen kommt.“
Ich spürte, wie ich etwas rot wurde. Wie viel hatte sie eigentlich mitbekommen?
„Wenn ihr wollt, bekommt ihr auch zusammen ein Zweierzimmer. Da einige Tiere an unserer Schule nachtaktiv sind, dürft ihr gerne aufbleiben, solange ihr wollt - und solange ihr die anderen nicht stört - und draußen umherstreifen. Ihr müsst nur pünktlich zum Unterricht erscheinen. Nachmittags könnt ihr euch dann bis zum Abendessen ausschlafen."
Das waren recht viele Informationen. Ich spürte ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Vielleicht lernte man in diesem Internat ja auch, wie man nachts Essen besorgt, ohne dass es zu kleineren oder größeren Katastrophen kam? Auf jeden Fall klang diese Schule tausendmal besser als die Junior-High, die ich im Moment "besuchte", wie die Erwachsenen das immer so schön formulierten. Zusammen mit Pauline in die Schule gehen, anstatt mit den Idioten aus meiner Klasse? Klang echt gut! Und vor allem aber war ich es sowasvon satt. Ich war es satt, immer verbergen zu müssen, wer ich wirklich war und so tun zu müssen, als wäre ich ein ganz normaler Mensch.
"Entscheidet euch gut, ich schicke euch morgen einen Boten vorbei, dem könnt ihr dann sagen, ob ihr wollt oder nicht. Bis hoffentlich bald!", verabschiedete sie sich schließlich und flog davon.

Pauline und ich waren uns recht schnell einig. Pauline wollte endlich wieder ein richtiges Zuhause. "Bei dir ist es schön, Avery", sagte sie. "Und ich würde mich freuen, wenn wir uns ein Zimmer teilen können. Aber dieses kleine Zimmer für uns beide ist echt keine Dauerlösung. Und ich bin mega neugierig auf diese Schule. Ich war noch nie in einer Schule!"

"Du hast Recht", stimmte ich ihr zu. „Außerdem will ich unbedingt lernen, als Fledermaus klarzu-kommen."
Und so war es beschlossene Sache.
Wie versprochen schickte Lissa Clearwater in der nächsten Nacht eine Botin. Es war eine Eule, die angeflogen kam und sich direkt vor unserer Nase in einen Menschen verwandelte. Sie wirkte nicht viel älter als wir und außerdem so, als müsste sie sich wirklich überwinden, um uns anzusprechen.

"Hey", begrüßte sie uns, "ich bin Trudy. Lissa hat mir aufgetragen, euch zu fragen, ob ihr auf das Internat wollt. Also, wollt ihr?" Sie lächelte uns schüchtern an und strich sich eine ihrer dunkelbraunen Strähnen hinters Ohr.
"Na klar", erwiderte Pauline.
"Aber wir wissen noch nicht, wie wir es meinen Eltern sagen soll", fügte ich hinzu.
"Das ist kein Problem", beruhigte uns Trudy. „Deine Eltern wissen, dass ihr alle Woodwalker seid, richtig?“ Sie drückte uns einen Prospekt in die Hand. „Das ist der Prospekt für Eingeweihte. Gebt ihn einfach deinen Eltern.“ Sie strich sich noch einmal nervös mit der Hand durch die Haare.
„Okay“, erwiderte ich. „Mach ich. Dankeschön! Wir sehen uns?“
„Bestimmt!“ Trudy lächelte uns noch einmal zum Abschied zu, verwandelte sich dann zurück und flog davon.
Jetzt lag es an uns, die Erlaubnis einzuholen. Ich seufzte. „Ach Pauline, was soll ich denn bloß sagen?“ Sie schob mich sanft in Richtung Tür. „Die Wahrheit“, erklärte sie.
Als wir aufs Haus zugingen, bemerkten wir, dass Licht in der Küche an war. Wir wussten sofort, wer da untypischerweise nachts außerhalb ihres Bettes war. Wenn mein Vater nachts auf war, machte er nämlich nie Licht an, war ja gar nicht nötig. Lediglich meine Mutter nutzte auch solche „Menschendinge“, die wir eigentlich nicht brauchten.
„Gut, dass sie wach ist“, fand Pauline. „Dann können wir sie gleich fragen.“
Mit großen Augen sah ich sie an. „Jetzt?! Bist du dir sicher?“
Eigentlich hatte ich nämlich damit gerechnet, bis morgen Zeit zu haben, um nach Worten zu suchen. Aber Pauline bestand darauf, es jetzt zu tun. „Nachts ist sie vielleicht so überwältigt, dass sie nicht nein sagen kann. Außerdem haben wir es dann hinter uns. Umso länger wir warten, desto schüchterner und steifer werden wir doch! Das ist so wie beim Springen vom 5er! Man muss es sofort tun, sonst traut man sich nicht mehr.“
Ich seufzte. Aber ich wusste auch, dass ich so gut wie keine Chance hatte. Wenn Pauline sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es auch durch. Und notfalls würde sie alleine gehen. Wer weiß, was sie dann sagen würde! „Na gut“, gab ich schließlich nach. „Aber lass mich sprechen!

Leise schlichen wir rein.

Meine Mutter saß am Küchentisch und aß ein Brot mit Marmelade. Neben ihr stand eine Tasse Tee.
Pauline und ich tappten in die Küche und ich legte ihr den Prospekt hin. „Du Mama“, fing ich an. „Es gibt da ein Internat, das von einem Weißkopfseeadler geleitet wird und wo wir hinwollen.“
Meine Mutter sah mich reichlich verwirrt an. „Wie? Was? Wann? Wo? Jetzt noch mal im Klartext: Was für ein Internat? Und was für ein Adler? Ein richtiger oder ein… wie hieß das noch gleich? Woodwalker? Und warum kommt ihr damit nachts an?“
„Ein Woodwalker“, bestätigte ich. „Und es ist ein Internat für Wandler. Es müsste eigentlich alles in dem Prospekt stehen.“ Ich hatte ihn mir selbst noch nicht angesehen, deshalb wusste ich nicht, wie viel wirklich drinstand. Aber ich hoffte einfach mal, dass er meine Mutter überzeugen und alle Fragen so beantworten würde, wie es ihr gefiel. Die Frage nach dem „warum jetzt?“ überhörte ich geflissentlich.
„Schau es dir einfach mal an“, sagte ich, damit sie mir nicht irgendwelche Fragen stellen konnte, auf die ich die Antwort selbst nicht wusste. Dann würde sie wohlmöglich mit ihrer „informier dich selbst erstmal bevor du dich entscheidest“-Tour kommen. Und das wollte ich möglichst vermeiden. „Wir können morgen am Frühstückstisch darüber reden.“ Bis dahin würde ich hoffentlich mehr Informationen haben. Woher auch immer.

Ich hatte keine Informationen. Aber es lief trotzdem alles glatt. Als mein Vater nämlich von dieser Idee hörte, war er sehr begeistert von dem Gedanken, dass ich lernen könnte, mit beiden von meinen Seiten zu leben. Und mein Vater schaffte es recht schnell, meine Mutter zu überzeugen.
„Nicht, dass ich dich irgendwie loswerden wollen würde, Avary“, betonte er. „Im Gegenteil, ich freue mich, wenn du an den Wochenenden auch mal nach Hause kommst. Aber ich bin der Überzeugung, dass Eltern mit ihren Wünschen nicht der Entwicklung ihrer Kinder im Wege stehen sollten.“
Ich umarmte meinen Vater stürmisch. „Das würde ich doch niemals denken, Papa. Du bist einfach der beste!“
Er drückte mich kurz an sich. „Das freut mich sehr, meine liebe Avary!“ Als ich ihn losließ, bemerkte ich großen Stolz in seinen Augen.
Generell verstand ich mich mit meinem Vater wirklich super. Mit ihm war ich oft nachts unterwegs gewesen, bevor ich Pauline kennengelernt hatte. Er hatte meine Mutter davon überzeugt, dass sie bleiben durfte. Und er fand es wichtig, dass ich mit beiden meiner Seiten klarkam. Was bei meiner Mutter nicht so der Fall war. Sie fand die Ohren unserer Fledermausgestalt zu groß, was ich praktisch fand, weil ich so super hören konnte. Sie fand, Fledermäuse wären gruselig, ich fand, Fledermäuse sind cool. Und so weiter.

Natürlich musste es ausgiebig gefeiert werden, dass wir bald aufs Internat gehen würden.
„Auf eine gute Zeit!“, rief Pauline. Wir stießen mit Apfelschorle an. Und ich freute mich wahnsinnig auf unsere gemeinsame Zeit im Internat.

***

Kapitel 2 – Feline
Seit 3 Monaten bin ich jetzt in diesem Internat. Und so richtig heimisch fühle ich mich immer noch nicht. Das liegt nicht direkt am Internat selbst. Im Gegenteil, es ist wunderschön hier. Die Zimmer sind sehr geräumig und man kann wunderbar durchs Fenster nach draußen klettern – vor allem wenn man eine Katze ist, wie ich. Von draußen sieht das Gebäude weniger wie ein Gebäude, sondern mehr wie Landschaft aus. Das finde ich voll super. Und auch im Mensa- und Aufenthaltsbereich habe ich nie das Gefühl eingesperrt zu sein.
Es ist auch nicht so, dass ich die einzige Katze hier wäre. An Hauskatzen wäre da zum Beispiel dieser Kater Dorian 1 Jahr über mir. Er ist so stinkefaul und er regt mich mega auf! Wenn ich ihn sehe, fühlt es sich so an, als würde in mir drin etwas explodieren und durcheinanderwirbeln… Leider schleicht dieses Vieh sich ständig in meine Gedanken.
In meinem Jahrgang sind die Schüler eigentlich richtig nett. Da wäre zum Beispiel das Schaf Molli. Sie ist manchmal etwas vergesslich, aber immer echt nett. Oder die Elefantendame Amina. Sie ist sehr schlau und hilft uns nicht so begabten öfters bei den Hausaufgaben. Ebenso Daisy, eine fleißige Eselin.
Dennoch bekomme ich keinen richtigen Kontakt zu ihnen. Es ist zum Verzweifeln.

Woodwalkers - Katzenalarm (Fanfiction) - 2

von Liesa

Kapitel 3 – Pauline
‚Komm schon, Fledi! Jetzt mach doch endlich!‘ Ungeduldig hüpfe ich auf dem Bett meiner besten Freundin herum. Zum Glück in Hamstergestalt. Sonst wäre es vermutlich längst zusammengekracht.
‚Mensch, Pauline‘, entgegnet Avary. ‚Wenn du mich weiter nervst, brauche ich doch nur noch länger!‘

Mir ist schleierhaft, wie man so lange zum Packen brauchen kann.
Und Avary hat diesen Gedanken wohl gehört, denn sie verteidigt sich sofort: ‚Du hast ja auch nicht wirklich viel gepackt. Ich hingegen habe hier ein ganzes Zimmer, wo ich entscheiden muss: nehme ich das mit oder nicht? Das ist wirklich anstrengend!‘
‚Pf‘, machte ich. ‚Wozu braucht man überhaupt so viel Zeugs?‘
Avarys Vater hatte tatsächlich in der Schule angerufen und uns angemeldet. Zuerst hatte er ja bedenken, dass man irgendwelche Erklärungen von Erziehungsberechtigten braucht, aber Lissa erklärte, dass es viele Tiere an ihrer Schule gab, die entweder gar keine Erziehungsberechtigten hatten oder nicht wussten, wo sie waren. Morgen früh würde ein Fahrer kommen und uns abholen. Deshalb musste meine Freundin heute packen. Ich hatte nicht viel, das war in zehn Minuten in einen Rucksack gestopft gewesen. Aber Avary hat es da nicht so einfach. Ich seufzte, verwandelte mich in einen Menschen und streckte mich auf ihrem Bett aus. „Na dann mal gute Nacht“, hörte ich noch, dann war ich auch schon weggedöst.

Als ich wieder aufwachte, war es schon abends. Irgendwer hatte eine Decke über mich gelegt. Ich zappelte mich frei und sah mich im Zimmer um. Avary konnte ich nirgendswo entdecken, aber als ich die Beine aus dem Bett schwang, fing ich ihre Gedankenstimme auf.
‚Na, gut geschlafen? Sag mal, kannst du mir mal helfen? Mir ist da was unters Bett gerutscht und es ist so schwer, dass ich es in Fledermausgestalt nicht bewegt bekomme.‘
‚Klar, wozu sind denn Freundinnen da?‘ Ich stieg aus dem Bett und verwandelte mich in einen Hamster. Dann huschte ich unters Bett, wo ich endlich sah, was Pauline da hatte. ‚Eine Taschenlampe? Wozu braucht eine Fledermaus denn eine Taschenlampe?!‘
‚Das habe ich mich ja auch gefragt‘, erwiderte Avary. Ich konnte förmlich vor mir sehen, wie sie die Augen verdrehte. ‚Aber meine Mutter bestand da drauf. Sie hat mir diese „Outdoor wasserfeste Taschenlampe mit extragroßem – und extraschwerem – Akku“ gegeben. Sie meinte, falls ich mal nachts im Wald unterwegs wäre und mich vor Panik nicht in eine Fledermaus verwandeln könnte…‘
‚Ja, schon gut‘, unterbrach ich sie. ‚Ich helfe dir.‘
Gemeinsam schafften wir es ohne Probleme, die Taschenlampe so weit unter dem Bett hervor zu bugsieren, dass Avary sie in Menschengestalt erreichen konnte. Sie bedankte sich bei mir, was ich großmütig abtat und packte noch ‚kurz‘ zu Ende. Dann gab es auch schon Abendessen.

Die letzte Nacht, die wir hier zusammen hatten, verbrachten wir draußen im Garten. Wir saßen auf dem Baum vorm Zimmerfenster (und zwar ganz ohne uns zu verheddern!) und redeten über alles Mögliche. Zwischendurch waren wir aber zum Glück aber auch mal still. Zum Glück deshalb, weil sonst wohl nie die kleine Caroline gefunden hätten. So aber hörte Avary das leise Miauen. Sie verwandelte sich und flog dem Geräusch nach. Ich kletterte vom Baum und wartete auf ein Signal der Fledermaus. Es kam schon bald.
‚Pauline, hier ist eine kleine Katze!‘
Rasch rannte ich in die Richtung, aus der das Signal gekommen war. Und tatsächlich. Neben Avary lag ein kleines, schwarz-weiß-gestreiftes Kätzchen. Ich wusste sofort, wie ich sie nennen würde.
‚Caroline.‘
‚Kennst du diese Katze?‘ Kam es von Avary zurück.
‚Nein‘, antwortete ich. ‚Aber ich würde sie Caroline nennen. Ich finde, der Name passt zu ihr. Außerdem passt er zu Pauline.‘ Ich grinste, während Avary die Augen verdrehte.
Es gab noch einen weiteren Namen, zu dem „Caroline“ sowie „Pauline“ gut passte. (Jedenfalls passt er aus meiner Sicht. Ich weiß nicht, wie Avary das sieht.) Er stammt (natürlich) auch von mir und war der Name der Katze gewesen, mit der ich aufgewachsen war. Damals, als ich noch bei meinen Eltern lebte und mich nachts heimlich aus dem Käfig geschlichen und verwandelt hatte.
Avary hatte sich mittlerweile wieder in einen Menschen verwandelt und konnte meine Gedanken so nicht mehr auffangen. Gedankensprache funktioniert nur, wenn mindestens einer von uns gerade in seiner Tiergestalt war. ‚Ach Feli!‘ Dachte ich. ‚Was ist bloß eigentlich aus dir geworden, hm?‘ Ihr verdankte ich es jedenfalls, dass ich die Sprache normaler Katzen beherrschte. Auch wenn meine geliebte Feli ebenfalls ein Woodwalker gewesen war, hatte sie aus Anpassungsgründen auch richtiges „Kätzisch“ gesprochen und es mir ebenfalls beigebracht.
Ich verwandelte mich in einen Hamster. ‚Wer bist du?‘, fragte ich die Katze.
‚Hab keinen Namen‘, kam es zurück. ‚Hab gar nichts.‘
‚Dann heißt du jetzt Caroline‘, beschloss ich.
‚Das ist ein schöner Name. Könnt ihr mir helfen? Ich hab Angst, ich bin allein und mir ist kalt. Außerdem bin ich am Verhungern.‘
Wie sie da so lag, klein und hilflos, konnte ich nicht widerstehen. ‚Okay. Aber du musst ganz still sein, hörst du? Sonst müssen wir dich vielleicht wieder abgeben. Das wäre sehr schade.‘

‚Okay‘, stimmte das Kätzchen zu. Avary sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. Aber ich wusste ganz genau, dass sie es nicht schaffen würde, mir mein Vorhaben auszureden.

***

Am nächsten Morgen wachte ich schon früh auf. Zuerst zog ich mich an, dann stibitzte ich etwas Essen für Caroline. Als sie fertig war, beschloss ich, dass es vielleicht am besten war, etwas über sie herauszufinden und so verwickelte ich sie in ein Gespräch.
‚Wie geht es dir?‘
‚Etwas besser. Und dir?‘
‚Gut. Kannst du mir ein bisschen über dich erzählen?‘
‚Tja, was willst du denn hören?‘
‚Wo kommst du her?‘
Ich merkte an ihrem Gesichtsausdruck, dass es keines ihrer Lieblingsthemen war, aber ich war viel zu neugierig um die Frage zurückzunehmen.
‚Ich wurde ausgesetzt.‘
Uh, also das gleiche Schicksal wie ich.
‚Eigentlich sollte ich ja ertränkt werden, aber das hat das Mädchen nicht zugelassen. Sie dachte sich wohl, besser frei als tot.‘
‚Und, siehst du das genauso?‘ Ich jedenfalls war definitiv der Meinung.
‚Naja, wenn ihr mich nicht gefunden hättet, wäre ich wohl langsam und qualvoll gestorben. Da wäre ertrinken besser gewesen. Aber so ist es wohl schon besser zu leben.‘
Ich beschloss, dass sich das Gespräch in eine zu anstrengende weil zu nachdenkliche Richtung gewendet hatte und fragte stattdessen: ‚Was isst du denn eigentlich am liebsten? Damit ich weiß, was ich dir stibitzen soll?‘
‚Ich weiß nicht, antwortete das Kätzchen. ‚Honig wäre toll. Denkst du, es gibt Honig?‘
So, so, ein Kätzchen das Honig mochte. Ich war mir nicht so ganz sicher, ob es so gut für gewöhnliche Katzen war, ich kannte an Katzen bisher nur die eine Woodwalkerin und die hatte sich immer nachts in Menschengestalt in der Küche bedient. Aber mal sehen, vielleicht war eine Ration pro Woche drin.

Endlich war es dann so weit. Vor dem Haus fuhr ein großes blaues und etwas zerkratztes Auto mit einer offenen Ladefläche und einem bunten Logo drauf vor.
Ich stand in Avarys Zimmer am Fenster und beobachtete, wie ein mittelälterer Mann mit tätowiertem Arm aus dem Wagen ausstieg und zur Haustür ging. Rasch nahm ich meinen Rucksack und die Tasche, in der wir Caroline mitschmuggelten. Besser, die Leute im Internat erfuhren nichts von ihr, sonst verboten sie uns noch, sie zu behalten.

Ich trug die Taschen runter und wir luden alles ins Auto.
Dann hieß es Abschied nehmen für Avary und mich. Ich ließ alles über mich ergehen. Lange Abschiedsszenen waren noch nie so mein Ding, aber da Avarys Eltern – oder vor allem ihr Vater - so nett gewesen waren, mich bei Avary haben wohnen lassen und uns jetzt auch auf das Internat gehen ließen, meckerte ich nicht rum.

Endlich fuhren wir los.
Wie sich herausstellte, hieß unser Fahrer Theo und war der Hausmeister der Schule. „Hausmeister und Taxifahrer“, erklärte er mit einem breiten Grinsen. Generell war er ein sehr lässiger Typ. (Aussehen)

Ich fragte mich unterdessen, ob alle Lehrer an der Clearwater High Woodwalker waren, oder ob es auch Menschen dort gab.
Bald schon waren wir da.
Von Vorne sah das Gebäude eigentlich ganz normal aus. Ich rümpfte die Nase. Laaangweilig. Aber wie sich schon bald herausstellte, täuschte der erste Eindruck.
Theo lud unsere Taschen (beziehungsweise meinen Rucksack und die Tasche mit Caroline, Avarys Koffer, ihre Handtasche und ihre Reisetasche) aus dem Auto. Ich schnappte mir schnell die Tasche mit der Katze drin, damit niemand etwas merkte, falls Caroline sich – ob aus Versehen oder mit Absicht – bewegte. Er verwandelte sich in seine Zweitgestalt und angelte sich geschickt den Rucksack und die Handtasche. Jetzt sah ich auch, was für ein Tier er war: ein Elch nämlich. Avary nahm sich ihren Reisetasche und den Rollkoffer und endlich machten wir uns auf den Weg zum Gebäude.

Einige Schüler liefen im Gebäude herum und beobachteten uns neugierig, als wir an ihnen vorbeikamen. Besonders fiel mir ein Mädchen auf, das nicht viel älter als wir zu sein schien. Es hatte feuerrote Haare und war –jedenfalls in ihrer Menschengestalt - wirklich schwer zu übersehen, weil sie die ganze Zeit in Bewegung war. Bei ihr waren zwei Jungs, der eine eher kräftig gebaut mit lockigen braunen Haaren, der andere etwas schlanker, aber auch nicht zu dünn. Auch diese drei musterten uns aufmerksam, bevor zwei weitere Schüler – ein Junge und ein Mädchen – zu ihnen stießen.
‚Ihr habt wie versprochen ein gemeinsames Zimmer‘, erklärte Theo uns gerade. ‚Ich zeige es euch, dann könnt ihr euch dort erst mal häuslich einrichten. Gleich wird sicherlich auch Lissa vorbeischauen und euch eure Schulbücher geben.‘
Er hielt vor einer breiten Tür an und stellte die Taschen ab.
‚Man sieht sich!‘, verabschiedete er sich, dann trottete er davon. Ich stieß die Tür auf und wir traten ein. Das Zimmer war geräumig, das gefiel mir. Es standen zwei Betten, zwei Schränke und zwei Schreibtische darin, alles aus hellem Holz. Auf dem Boden lag außerdem ein bunter Flickenteppich.
„Gemütlich hier“, fand auch Avary. Wir breiteten unsere Taschen auf dem Boden aus. Ich zog die Klamotten aus meinem Rucksack und pfefferte sie in meinen Schrank. Fertig.
Avary hingegen stand etwas ratlos da und überlegte, was sie wo hin tun sollte.
„Wenn du willst, kannst du meinen Schrank mitbenutzen“, bot ich ihr an. „Der ist noch lange nicht voll.“
„Danke, Pauline. Ich glaube das werde ich machen.“ Sie holte ein Teil nach dem anderen aus ihrem Koffer und hängte es in ihren Schrank. Dann nahm sie den Inhalt der Reisetasche und legte ihn in das Fach über der Kleiderstange in meinem Schrank. Gerade als sie fertig war, klopfte es an der Tür. Herein kam der Weißkopfseeadler von vor ein paar Tagen. Und sie brachte jemanden mit. Ich brauchte ein paar Augenblicke bis ich sie erkannte, denn sie hatte sich ziemlich verändert, seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Aber dann machte es ‚klick‘ in meinem Hirn und ich riss die Augen auf. Das konnte doch nicht wahr sein, träumte ich etwa? „Avery, zwick mich mal!“, bat ich.
Sie tat wie geheißen. Es zwirbelte in meinem Arm. Aber das Mädchen blieb da, wo sie war und riss ebenso wie ich die Augen auf wie ich. Sie war es also tatsächlich. Und sie war hier.

***

Ein paar Jahre zuvor

Leise öffnete ich das Käfiggitter. Das Mädchen durfte nichts merken! Die Mutter auch nicht! Um den Vater machte ich mir keine Sorgen, der kam abends erst spät nach Hause und schlief dann wie ein Stein.
Vorsichtig kletterte ich nach draußen. Bloß kein Geräusch machen!
Ich tapste über den Teppich. Wo wollte ich als erstes hin? In die Speisekammer oder in die Küche? Ich entschied mich für die Küche, weil es da gemütlicher war. Doch ich kam nicht dazu, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen, denn auf einmal bemerkte ich einen Schatten neben sich. Erschrocken fuhr ich herum. Da stand ein riesiges Vieh vor mir. Oder jedenfalls wirkte es aus Hamsterperspektive riesig. ‚Wenn ich in Menschengestalt wäre, würde die mir ganz klein vorkommen‘, sagte ich mir. Doch leider half das nicht viel gegen die aufkommende Panik. Und jetzt kam auch noch diese riesige Tatze auf mich zu. ‚Hui, ein sich bewegendes lecker riechendes Teil!‘ So in etwa kam es von der Katze.
‚Nichts wie weg hier!‘ Beschloss ich.
In Sekundenschnelle flitzte ich los. Als erstes zum Teppich. Doch hier gab es keine Versteckmöglichkeit. Also weiter zum Sofa, genauer gesagt darunter. Die Katze – ja, so hießen diese Viecher, erinnerte ich mich - versuchte, mit ihren Tatzen nach mir zu angeln. ‚Ich bekomme dich schon noch! Und zur Not bleibe ich die ganze Nacht hier und warte!‘
Ewig konnte ich hier also nicht bleiben. Denn wenn die Katze mir wirklich hier auflauern würde, dann käme ich nicht zum Essen. Und noch schlimmer: ich käme nicht zurück in den Käfig, man würde mein Verschwinden bemerken und den Käfig besser abriegeln. Und dann käme ich womöglich nie mehr zum Essen! Nein, das musste jetzt ein für alle Mal geklärt werden. Ich flitzte wieder unter dem Sofa hervor und hangelte mich auf die Kommode rauf. Dort schubste ich einen Notiz-block runter. Ich konnte nicht sehen, was unten vorging. Aber ich hörte, dass die Katze fauchte und nun ebenfalls versuchte, auf die Kommode zu kommen. Du kleines Miststück!
Gar nicht gut! Ich flitzte auf die andere Seite und wägte ab: konnte ich es von hier aus auf den Tisch schaffen? Wenn ich es schaffte, konnte ich mich dort vielleicht verwandeln. Aber es war schon ein ganzes Stück… egal. Entweder springen oder gefressen werden. Ich sprang. Mit den Vorderpfoten erwischte ich die Tischkante. Ich krallte mich fest. Und zog mich hoch. Geschafft! Okay, jetzt beruhigen.
Die Katze konnte jeden Moment hier sein!
Nein, falscher Gedanke. Ich musste mich doch beruhigen. Ich stellte mir meine Menschengestalt vor.
‚Ich krieg dich schon noch! Auf diesem Tisch bist du für mich wie auf dem Seviertablett!‘
Nein, nein, nein. Ich musste mich doch verwandeln. Wieder stellte ich mir vor, was ich sah, wenn ich in den Spiegel schaute.
Hinter mir sprang die Katze auf den Tisch. Es gab keinen Ausweg mehr. Also änderte ich meine Strategie. Ich rannte auf die Katze zu. Sie versuchte wieder, mich zu erwischen, doch ich wich aus. Und schwang mich mutig auf ihren Rücken.
Leider war ihr Fell sehr kurz, sodass ich mich nicht wirklich gut festklammern konnte. Und die Katze sträubte sich. ‚Hilfe, hör auf, ich tu dir nichts!‘
‚Wirklich?‘
‚Ja, wirklich! Ich habe einen ganzen Kühlschrank voll Essen! Und ich bekomme Spielzeug! Ich brauche dich nicht, weder zum Fressen noch zum Spielen! Lass nur endlich los! Ich kann dir besorgen was du willst, lass bloß los!‘
‚Nicht nötig, ich kann mir selbst was holen.‘ Zufrieden hüpfte ich von ihrem Rücken runter.
Die Katze sah sie verwirrt an. ‚Du kannst dir selbst was holen?‘
‚Ja, ich bin ebenfalls ein Woodwalker, so wie du. Was glaubst du, warum wir uns so gut auf Englisch verständigen können, hm?‘ Dem Blick der Katze sah ich an, dass sie darauf noch gar nicht gekommen war. Ehrlich gesagt musste ich zugeben, dass ich es selbst erst gemerkt hatte, als ich die Kätzin berührt hatte. Wir Woodwalker können einander nämlich spüren. Normalerweise auch aus etwas Entfernung. Ich hatte nur noch nicht so viel Übung. Aber das musste ich ja nicht zugeben. Besser, man tat so, als wäre man immer überlegen.
‚Oh, okay. Tut mir leid, ich hatte mich einen Moment lang nicht unter Kontrolle.‘
Die Katze sah ehrlich betroffen aus. Dennoch wollte ich meinen kleinen Vorteil ausspielen.
‚Wie heißt du überhaupt?‘
‚Tja, schwer zu sagen. Das Mädchen nennt mich immer unterschiedlich. Wie meine Mutter mich nannte, weiß ich nicht. Ich wurde ganz früh verkauft.‘
Pauline setzte sich, so gut das für einen Hamster eben geht, aufrecht hin. ‚Ich nenne dich Feline!‘

Eine lange Zeit lang trafen wir uns jede Nacht. Wir spielten, wir lachten, wir redeten. Wir wurden die besten Freunde. Und es ging alles gut. Doch dann wurde ich verkauft, an ein Mädchen, das un-bedingt ein Haustier haben wollte. Und von da an ging nichts mehr gut. Bis ich auf Avary traf. In ihr fand ich eine neue gute Freundin. Feline vermisste ich trotzdem.
Und jetzt stand genau diese Feline vor mir und strahlte wie ein Honigkatzenpferd.

Woodwalkers - Katzenalarm (Fanfiction) - 3

von Liesa

Kapitel 4 - Avary

Das fremde Mädchen und Pauline starrten sich einen Moment lang in die weit aufgerissenen Augen, dann rannten sie aufeinander zu und fielen sich in die Arme. „Ach Pauline, was habe ich dich vermisst!“, heulte das blonde Mädchen.
„Feline! Ich hätte nie gedacht, dich hier wiederzutreffen!“
Aha, Feline hieß das fremde Mädchen also. Konnte es sein, das meine Freundin eine kleine Vorliebe für Namen, die auf –ine endeten, hatte?
„Ich auch nicht, aber ich habe es mir so gewünscht! Es fällt mir so schwer, neue Freunde zu finden!“
Ich spürte ein unangenehmes Zwicken im Bauch. Ich schien nämlich vollkommen vergessen zu sein. Ob Pauline jetzt wohl lieber mit ihrer alten Bekannten in einem Zimmer schlafen wollte? Und mich vollkommen ausgrenzen würde? Mein Bauch schmerzte vor Eifersucht. Ich räusperte mich, um Pauline daran zu erinnern, dass noch jemand im Raum war.
Der Hamster drehte sich um, einen Moment lang wirkte sie verwirrt, aber das dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde an, dann grinste sie. „Avary, das ist Feline, die Katze, mit der ich aufgewachsen bin! Feline, das ist Avary. Sie hat mich bei sich wohnen lassen, als ich ausgesetzt wurde!“
Feline wirkte geschockt. „Ausgesetzt wurdest du?“
„Ja, ausgesetzt! Ist das nicht unglaublich? Da wollte dieses Mädchen unbedingt ein Haustier haben, und dann sowas! Einfach unfassbar!“
„Oh ja sehr! Bin ich froh, dass mir sowas nicht passiert ist! Ich hätte nie gewusst, was ich hätte tun sollen!“
Ich knurrte. Hielt Feline meine Freundin etwa für einen Superstar? Ohne mich wäre Pauline ganz schön aufgeschmissen gewesen, wenn ich das mal anmerken durfte!
„Ihr beiden kennt euch?“, meldete sich nun Lissa Clearwater zu Wort. „Das ist ja super! Feline, du wirst den beiden die Schule zeigen, ja? Avary, Pauline, hier sind eure Schulbücher. Und hier habt ihr Farbe, damit dürft ihr eure Namen auf eure Zimmertür pinseln.“ Sie reichte uns zwei schwere Stoffbeutel, die wir auf unsere Schreibtische legten. Pauline zog gleich ein paar Bücher aus der Tasche heraus. Es gab Bände wie: „Dein Leben als Woodwalker“, sowie „Verwandlung für Anfänger“, aber auch „normale“ Fächer wie Englisch oder Mathe. Ich staunte nicht schlecht. Für uns Woodwalker wurden eigene Schulbücher gedruckt? Wie rechnete sich das überhaupt?
„Viel Spaß euch beiden und viel Erfolg!“, wünschte uns Lissa. „Wenn ihr Fragen habt, fragt einfach! Es ist keine Schande, wenn ihr etwas nicht wisst. Man sieht sich!“ Damit ließ sie uns drei alleine.
„Los, lass uns jetzt die Tür anmalen!“, bestimmte Pauline. Schon schnappte sie sich die rote Dose und pinselte drauf los. Ich nahm die Dose mit der dunkelblauen Farbe.
Schon bald darauf stand auf der Tür: „Pauline & Avery“ Für das Und-Zeichen hatten wir rot und blau zusammengemischt und als i-Punkt hatte Pauline ein Herzchen gemalt. Fantastisch! Ich fand es gut, dass die Schulleiterin das erlaubte. Eigentlich war das pädagogisch gesehen richtig gut! Ich fand, die Menschen müssten sich mal eine Scheibe davon abschneiden.
Zufrieden begutachteten wir unser Werk.

„Sieht super aus!“, lobte uns Feline. Beinahe hätte ich diesmal vergessen, dass sie auch noch existierte. Dann waren wir nun also mehr oder weniger quitt. Und wenn Pauline zu ihr ins Zimmer gewollt hätte, hätte sie doch auch nicht ihren Namen auf unsere Zimmertür gepinselt, oder?
„Danke, Feli“, sagte Pauline.
„Wenn ihr wollt, kann ich euch jetzt die Schule zeigen“, schlug Feline vor.
„Okay, gerne“, antwortete ich, nur damit ich das Gefühl hatte, nicht ganz außen vor zu sein. „Dann können wir auch gleich die Farbe zurückbringen.“
Also machten wir uns zu dritt auf den Weg. Feline machte es sichtlich Spaß uns durch die Schule zu führen. So langsam begann ich, sie auch zu mögen. Und so konnte ich mich auch für sie freuen, dass sie nun endlich eine Freundin hier hatte.
„Katzen sind einfach von Natur aus Einzelgänger, das bekomme ich manchmal zu spüren“, erklärte sie mir.
Vielleicht würde sie bald zwei Freundinnen hier haben.
Die Schule war wie ein Quadrat gebaut, mit einem Garten im Innenhof. Im ersten Stock waren die Wohnräume, sowohl die von den Schülern als auch die von den Lehrern. Im Erdgeschoss waren die Unterrichtsräume und Büros. Und ganz oben war die Cafeteria, die zugleich als Aufenthaltsraum diente. Sie befand sich unter einer Glaskuppel. Hier hatte man nachts die Sterne über sich. Ich nahm mir vor, hier einmal (oder auch öfter) in einer klaren Nacht hinzukommen.
„Bei schönem Wetter wird das Glas oben ausgeklappt, dann hat man hier auch herrlich frische Luft drin“, erklärte Feline. „So, und dann gibt es noch den Keller, da sind Lagerräume und eine Werkstatt. Aber die kann ich euch leider nicht zeigen, denn da dürfen Schüler nur mit Erlaubnis eines Lehrers rein.“ Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass jemand das „leider“ wirklich ernst meinte.
„Ich habe Hunger“, kam es nun von Pauline. „Wollen wir etwas essen gehen?“
Das war eine rhetorische Frage. Wenn Pauline Hunger hatte, ließ sie sich von nichts und niemandem vom Essen abhalten.
Also gingen wir zur Essensausgabe. „Es gibt jeden Tag zwei verschiedene Gerichte“, erklärte Feline uns. „Eins für Fleisch- und eins für Pflanzenfresser.“
Heute gab es einmal Gulasch mit Nudeln und einmal Nudeln mit Tomatensauce. Feline und ich wählten das Gulasch, während Pauline lieber die Tomatensauce wollte. „Ich liebe Tomatensauce! Die macht so schöne Flecken!“
Wir setzten uns gemeinsam an einen Tisch und redeten beim Essen über unverfängliche Dinge wie Lehrer, die verschiedenen Fächer, die es hier gab, und das Wetter. Ich packte heimlich etwas Gulasch und ein paar Nudeln für unser Kätzchen ein. Nach dem Essen entschuldigte ich mich mit der Ausrede, dass ich mich etwas frisch machen wollte. Nur Pauline flüsterte ich ins Ohr, dass ich mich in Wirklichkeit um Caroline kümmern wollte.
In unserem Zimmer holte ich die kleine Katze dann endlich aus der Tasche. Leider war ich nicht so gut in Katzensprache wie Pauline, aber das war nicht schlimm. Vermutlich hätte sie sich eh nur beschwert, dass sie so lange in der Tasche hocken musste. Vielleicht hätte sie es aber auch nicht getan, da war ich mir nicht so sicher. Ich fütterte sie und gab ihr außerdem etwas zu trinken. Bei der nächsten Gelegenheit würden wir mal in die Stadt fahren und einen Reisenapf und sonstiges Zubehör kaufen müssen.
Leider war ich so vertieft in meine Arbeit, dass ich den Schatten vor dem Fenster nicht bemerkte.

***

Kapitel 5 – Feline

Ich war überglücklich! Ich hatte meine Freundin zurück! Zum ersten Mal spürte ich das Gefühl von Heimat in diesem Internat. Und diese Avary wirkte eigentlich auch voll nett. Ich hoffte sehr, dass sie keine Angst hatte, dass ich ihre Freundin ausspannte und ich nahm mir vor, sie immer so gut es ging mit einzubeziehen. Fröhlich pfeifend schlenderte ich durch die Gänge.
Beinahe automatisch bewegte ich mich auf das Zimmer meiner alten & neuen Freunde zu. Aber da war ich nicht die einzige. Auch Lissa Clearwater ging mit nicht gerade glücklich aussehendem Gesicht auf das Zimmer zu. Ich sah, wie sie mit Pauline sprach und ging neugierig näher.
„Pauline, ich kann ja verstehen, dass du das Kätzchen unmöglich da liegen lassen konntest! Aber das ist noch lange kein Grund, es heimlich mitzunehmen! Was, wenn es irgendwie krank gewesen wäre und du die Krankheit in dieses Internat geschleppt hättest?“
„Aber das Kätzchen ist ja nicht krank“, hörte ich Pauline erwidern.
„Pauline, was ist denn los?“, mischte ich mich ein.
Pauline seufzte. „Ich habe letzte Nacht eine Katze gefunden. Ein kleines Babykätzchen, um genau zu sein. Es hat mir erzählt, dass es ertränkt werden sollte. Da habe ich es mitgenommen.“
Ich spürte gleichzeitig Enttäuschung, Mitleid und Stolz. Stolz, weil meine Katzensprache-Stunden offenbar erfolgreich waren. Mitleid mit dem Kätzchen. Und Enttäuschung, weil sie mich nicht eingeweiht hatten. Aber ich riss mich zusammen. Denn ich hatte eine Idee und das Kätzchen war jetzt wichtiger als meine Gefühle. Ich wandte mich an Lissa Clearwater: „Lissa, wäre es möglich, dass die Katze bei mir im Zimmer wohnen darf? Ich würde mich auch immer um sie kümmern und sie auch erziehen! Man kann dieses arme Wesen doch nicht so mutterseelenallein lassen!“ Ich sah die Schulleiterin mit meinem treusten Katzenblick an und sie seufzte. „Na schön. Du darfst die Katze behalten. Aber ich werde regelmäßig kontrollieren und du wirst auch zum Gesundheitscheck mit ihr zum Tierarzt gehen, ist das klar?“
„Natürlich, Lissa.“ Ich blinzelte herzerweichend.
„Trotzdem gibt es einen Verweis für euch, Avary und Pauline! Das nächste Mal, wenn ihr meint, irgendein heimatloses Tier bei euch aufnehmen zu müssen, sagt ihr mir bitte Bescheid, damit das klar ist!“
Avary und Pauline nickten. Und in mir keimte ein unbändiges Glücksgefühl auf. Jetzt hatte ich nicht nur ein Zuhause und anderthalb gute Freundinnen, sondern auch eine junge Katze, um die ich mich kümmern durfte! Manchmal war das Leben echt perfekt.

Happy End für Teil 1 ♥

Nachwort: So, das war’s dann auch schon für dieses Mal, ich hoffe, es hat euch allen gefallen und ihr schreibt mir schön viele Kommentare! ;) Wenn jemand möchte, dass ich seine oder ihre Geschichte kommentieren möchte, kann er oder sie mir das übrigens auch gerne schreiben (und auch, wie kritikfähig er ist, denn das ist ja bei jedem unterschiedlich und ich möchte niemanden traurig machen, sondern nur helfen! Ich war nämlich früher auch enttäuscht, wenn ich eine gute Idee hatte und darauf nicht so gutes Feedback bekam, während ich heutzutage die Kritik auch brauche, damit ich mich und meine Geschichten verbessern kann).
Ich habe versucht, ein möglichst rundes Ende zu schreiben, weil es ja möglicherweise wieder etwas dauern wird, bis wir das nächste Mal veröffentlichen können (aber ich gebe niemals die Hoffnung auf!). Es war nicht ganz einfach, ein Ziel zu finden, das so nah am Anfang liegt, dass ich es gut mit wenigen Kapiteln erreichen kann. Wenn die Formulare das nächste Mal öffnen, würde ich aber gerne noch mehr veröffentlichen und dann auch hoffentlich ein besseres Abschnittsziel haben.
Auch Ideen (sowohl für Charaktere, als auch für „Abschnittsziele“ oder Namen (vor allem Namen!)) sind immer willkommen! ;)
Man liest sich!
Liesa