Gruselhaus - Betreten auf eigene Gefahr (9/Ende)
von Leonie, 11 Jahre
„Stimmt! Das hatte ich vor lauter Aufregung ganz vergessen!!!“, stimmte Louis zu.
Verständnislos sah ich ihn an. Wie konnte man so etwas nur 'vergessen'!
„Ähm, Leute?“, fragte Kimberly leise. „Glaubt ihr echt, dass wir ihn finden werden?“
Traurig schüttelte ich den Kopf, denn ich hatte echt keinen Plan wie wir das anstellen sollten. Doch plötzlich durchfuhr mich eine mächtige Portion Selbstbewusstsein und Mut, und ich wusste, dass wir es schaffen würden. Irgendwie. Irgendwas würde uns schon einfallen. Die Energie durchströmte mich nur so und ich rief laut: „Los! Wir fangen an zu suchen!“
Die Anderen blickten mich verwirrt an, aber als ich loslief, kamen sie mit. Doch dann fiel mir etwas ein: „Nehmt die Zauberstäbe mit. Es sind ja drei da. Ihr habt dann die Zauberstäbe, ich das Amulett. Ihr werdet zwar nicht so viel Magie besitzen, weil das Amulett für mich bestimmt ist, und ihr euren Gegenstand noch nicht gefunden habt, aber um sich zu verteidigen wird es schon reichen!“
Sie nickten und holten sich die Zauberstäbe. Dann, als wir alle startbereit waren, liefen wir abermals los. Als ich ein Kichern hörte, beschleunigte ich meine Schritte und rief: „Bist du es Tina? Oder bist du die verrückte Kopflose?!“
Wieder hörte man ein Kichern.
„Wir sind es beide!“
Dann lachten die Beiden laut los. Mich durchfuhr so eine gewaltige Wut, und ich wünschte die Kopflose und Tina irgendwie umzubringen. Der Gedanke war natürlich zu brutal, und ich selbst wusste, dass das nicht so einfach wäre. Aber ich wollte doch nur meinen kleinen Bruder wieder! Ich wollte, dass er wieder friedlich an seinem PC zockte und ihm keine Gefahr drohte. Ich wollte ihn doch nur beschützen!!! In der Hoffnung dass die angeblich böse gewordene Tina und die verrückte Frau noch da waren und uns hörte, rief ich laut: „Wo seid ihr?“
Keine Antwort. Ich wartete ein paar Minuten. Dann hörte ich: „Warum willst du das wissen, du Rotznase?“ An der Stimme erkannte ich, dass es die Kopflose gesagt hatte.
„Ich will meinen kleinen Bruder Felix!“, rief ich jetzt selbstbewusst.
„Den werdet ihr nie bekommen!“
„DOCH!“
Jetzt war ich so wütend, dass ich nur noch durch die Labyrinthartigen rannte, ich sah gar nicht genau hin. Immer weiter, und weiter, und weiter.
„Selina, wohin willst du?“, fragte Kimberly mich atemlos, sie hinkte nur noch hinter mir her.
„Das weißt du ganz genau“, zischte ich ein wenig genervt. „Wenn ihr nicht mehr könnt, bleibt hier, ich gehe weiter.“
„Ich werde dich nicht im Stich lassen, Selina“, sagte Louis.
Ach, das war ja so süß von ihm!
„Danke“, sagte ich.
Max war schon schlecht vom Rennen, deswegen musste ich mit Louis alleine weiter. Wir schlugen uns durch verwirrende Metallgänge, Spinnenweben, dornige Äste, matschige Gänge bis wir schließlich zu einer runden Metallplatte kamen, in deren Mitte Tina und die Kopflose standen.
„Tina, wie konntest du das uns nur antun?! Wir dachten du wärst auf unserer Seite!“, sagte ich, denn erst jetzt wurde mir bewusst, dass einer meiner Freundinnen uns verraten hatte. Tina zuckte nur mit den Schultern.
„Hmpf! Huil-fe Se-se-llina!“, hörte man dumpf hinter der Frau und Tina hervorkommen. Ich wusste dass es Felix war.
„Beiseite“, rief ich und schubste die Frau und Tina weg.
Dort lag Felix, gefesselt am Boden, ein blaues Tuch mit grünen Punkten in den Mund gestopft. Ich wollte ihn gerade befreien, da rief die Kopflose von hinten laut: „STOP!“ Verwundert darüber, dass sie komischerweise alles sehen konnte, drehte ich mich leicht verwirrt um.
„Komm her, Kleine, oder ich bringe deinen kleinen Bruder in Sekundenschnelle um!“
Ich fragte mich zwar wie sie das schaffen wollte, doch darüber besorgt, dass sie Felix verletzten könnte, ging ich auf sie zu.
„Nein Selina!“, rief Louis erschrocken.
Mit einem Fingerschnippen der Frau konnte er auf einmal nicht mehr sprechen und sich nicht mehr bewegen. Wütend schaute ich die Frau an.
„Du wirst deinen kleinen Bruder nicht befreien! Denn wenn ich dich erstmal umgebracht habe, wird sein Kopf, während er noch lebt in kochend heißem Blut gewaschen, damit ich den Trank der unendlichen Schönheit und des nie aufhörenden Lebens zu Ende brauen kann. Mit zwei Kinderköpfen in seinem Alter habe ich das schon getan, er wird dann der letzte sein! Hahahahaha!“
Auf einmal wurde mein Amulett so feuerheiß, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich packte es, zog es mir vom Hals und hielt es auf die Kopflose. Tina machte sich schnell aus dem Staub und versteckte sich in einem Gang. 'Feige', dachte ich mir. Aus meinem Amulett schoss ein dunkelblauer Strahl. Erschrocken streckte die Frau die Hände aus und aus ihren Fingerspitzen schossen hellgrüne Strahle. Es kostete mich einiges an Kraft, das Amulett festzuhalten, doch würde ich es loslassen, würde ich verlieren, sterben und anschließend würde mein kleiner Bruder Felix in feurigem Blut gekocht. Angestrengt hielt ich das Amulett weiter auf die Frau gestreckt und kniff die Augen zu. Nach einiger Zeit hatte ich keine Kraft mehr, aber der Kampf war noch nicht beendet. Aber wirklich, meine ganze Kraft war aufgebraucht und ich konnte nicht mehr. Und da wusste ich es: Ich würde verlieren, und somit auch Felix. Und was würde wohl aus den Anderen werden? Was würde mit Louis, Kimberly und Max passieren?
Stöhnend gab ich auf, ich zog das Amulett weg, fiel auf den Po und wartete auf den Schmerz. Die Frau stieß einen Schrei aus. Erst dachte ich, es wäre die Freude, die wahrscheinlich in ihr brodelte, doch langsam öffnete ich die Augen und sah, dass ihr grüner Fluch in eine andere Richtung gerichtet war. Da ich alles verschwommen sah, rieb ich mir die Augen, doch es nützte nichts. Ich sah trotzdem noch einmal genauer hin und sah, dass Kimberly, Max und Louis ihre Zauberstäbe in Richtung der Verrückten hielten. Komisch, wie war denn Louis aus seiner Starre gewichen? Na ja, dass war ja jetzt erstmal egal. Wichtig war, ob sie es schaffte oder nicht. Ich konnte ihnen jetzt nicht mehr helfen, egal was passierte. Meine Kraft war aufgebraucht. Ich konnte nichts ändern. Wenn einer von ihnen getroffen würde, oder sich verletzte, konnte ich nicht helfen. Sie waren auf sich selbst gestellt. Zumindest jetzt. Wie lange würde der Kampf wohl noch dauern? Eine Stunde? Einen Tag? Einen Tag und eine Nacht? Würden meine Freunde es aushalten? Tausend Fragen schwirrten in meinem Kopf.
Suchend sah ich mich nach meinem Amulett um. Ich brauchte es, keine Ahnung warum. Ich wollte es einfach bei mir haben, um sicherzugehen dass die Frau oder Tina es nicht benutzen konnten. Nach kurzem Suchen fand ich es. Ich sah es an, berührte den roten Stein in der Mitte, und flüsterte leise: „Wir müssen es schaffen. Wir brauchen Hilfe, aber von wem?“ Ach, mit wem sprach ich eigentlich? Mit dem Amulett? War ich jetzt völlig bescheuert?
„Ich werde euch jetzt helfen, Selina. Hab keine Angst“, sagte eine weiche Frauenstimme.
Ich sah mich um. Die Anderen schienen nichts gehört zu haben. Kam die Stimme etwa aus dem Amulett? Nein, unmöglich, oder? Auf einmal stieg eine hellblaue Wolke aus dem Amulett und als die Wolke sich auflöste, sah ich eine wunderschöne Gestalt. Es war die eines Mädchens.
„Die Anderen können mich alle nicht sehen und hören! Nur du! Ich bin ein Teil deines Lebens, Selina! Das Amulett gehört dir, weil ein Stück deines Lebens darin gespeichert ist. Ich bin du! Ich sehe zwar anders aus, aber das ist normal so. Ich werde euch jetzt helfen.“
Dann schwebte die Gestalt auf die Frau zu, und ich sah ihr verdattert nach. Wie bitte? Das sollte ich sein? Doch, tatsächlich, das Mädchen, das angeblich ich sein sollte, trug das gleiche Amulett wie ich. Jetzt stand es genau hinter der Frau. Ich hätte erwartet, dass es das Amulett nimmt und es auf die Frau richtet. Meine Freunde waren grad beim Umfallen als das schöne Mädchen der Frau die Arme ausriss. Danach kamen die Beine, und auch der Rest des Körpers wurde zerlegt. Ich dachte eigentlich, die Kopflose wäre ein Geist, war sie aber wohl doch nicht. Als das Mädchen fertig war, kam sie zu mir und sagte: „Alles ist erledigt. Ich habe allerdings nur ein wenig nachgeholfen. Hättest du sie nicht eine Zeit lang mit dem Amulett in Schach genommen, hätte ich das nicht geschafft. Danke dir.“
Wieso dankte sie jetzt mir? Ich hatte doch am wenigsten gemacht, oder? Sie hatte doch alles gemacht.
„Ich weiß was du gerade denkst, Selina. Doch du hast die ganze Arbeit gemacht. Vertraue mir. Ohne dich hätte ich die Frau nicht auseinander nehmen können.“
Ich starrte sie an und sagte: „Ich danke auch dir. Allerdings hättest du das ein bisschen weniger blutrünstig machen können.“
Das Mädchen kicherte.
„Und bevor ich jetzt gehe, sag ich dir noch eins: Tina ist wieder normal. Sie war nur verhext von der Kopflosen. Verzeiht ihr doch bitte. Tschüss.“
Bevor ich ein Tschüss herausbringen konnte, war sie auch schon wieder in meinem Amulett verschwunden. Wie von Zauberhand lösten sich Felix Fesseln, er stand auf und rannte in meine Arme. Ich freute mich sehr, ihn wohlbehalten in meine Armen zu spüren.
So, und nachdem ich den anderen die ganze Geschichte erzählt hatte, Tina wieder zu uns gehörte, gründeten wir den Gruselhaus-Club! Auch die Anderen waren der Meinung, dass ich die meiste Arbeit im Kampf gegen die Frau gemacht hatte. Eine Szene nach der ersten Club-Sitzung möchte ich hier als Dialog aufschreiben. Das war einige Stunden nach dem Kampf.
Louis: Ähm, Selina?
Ich: Ja?
Louis: Du warst super im Kampf.
Ich: Danke
Louis: Und auch sonst warst du super und mutig.
Ich (verlegen): Du warst aber auch sehr gut!
Louis: Na ja...
Ich: Noch was?
Louis: Also... Eigentlich wollte ich nur sagen...
Ich: Ja???
Louis: Ich liebe dich, Selina!
Ich: Ähm... Ahm... Ich dich auch.
Und dann berührten sich unsere Lippen.
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Ich hoffe, euch hat meine Geschichte gefallen. Und bitte schreibt ganz viele Kommentare!
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