Der Sinn des Lebens :D

von Bianca, 15 Jahre


 

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Das Thema, worüber du hier ein kleines bisschen etwas erfahren kannst, ist eigentlich zu kompliziert. Genauer gesagt, zu kompliziert, als dass ganz normale Leute wie ich mit vergleichsweise wenig Lebenserfahrung einfach so, aus dem Ärmel geschüttelt, einen Text darüber schreiben könnten. Manche haben ihr ganzes Leben lang nach ihm gesucht und gefragt, und es letztendlich doch nicht auf die Reihe gebracht zu sagen, was denn nun die Antwort ist. Aber diesen Menschen traut man wenigstens zu, dass sie sich halbwegs bemüht haben. Länger als sein ganzes Leben lang kann sich ein Mensch ja wohl nicht bemühen. So. Die haben sich also halbwegs bemüht - nur halbwegs. Obwohl sie wahrscheinlich den ganzen Tag nichts anderes gemacht haben.

Und ich? Was soll das denn für eine Mühe sein, die jetzt noch nicht mal ein Viertel von der Zeit andauert, die sich andere genommen haben? Nun ja... es geht um den Sinn des Lebens. Oder auch einfach nur einen winzig kleinen Hauch davon. Dass der Sinn des Lebens eine ganz persönliche und einmalige Sache ist, ist klar. Darüber kann man keine 'Anleitung' für alle schreiben. Alle stellen sich dieselbe Frage, und es gibt eine Million Antworten. Für den einen reicht es, sein Leben damit zu begründen, dass alles zufällig passiert & es deswegen keinen Sinn gibt. Andere denken schon weiter und meinen, sie hätten irgendwas in der Welt verändern müssen, und dafür hätten sie gelebt. Aber so richtig abfinden kann sich einfach keiner mit den vielen Antworten, die er immer wieder findet. Am einen Tag mag die eine Antwort ja völlig in Ordnung sein, aber am nächsten passt sie einfach nicht mehr. Würde wirklich jemand DIE Antwort finden, die allen sofort logisch erscheinen würde, naja, dann wäre zwar das Rätsel um den Sinn des Lebens gelöst, aber es wäre dann gleichzeitig für alle ein und derselbe Sinn - nichts Individuelles und Unterschiedliches mehr. Und das möchte ja auch keiner. Was nützt es dann, ein Leben zu leben, dessen Sinn man schon mit fünf Jahren kennt? Dann weiß man, also, aha, dafür ist man da.
Und weiter?
Was für eine Motivation hat man dann noch zum Leben, wenn man nur dazu da ist, um irgendeinen Sinn zu erfüllen? Viel interessanter finde ich eigentlich die Diskussionen um den Plan. Den Plan für's Leben. Manche denken, alles passiert zufällig. Andere denken, jedes Leben wäre genau durchgeplant & viel zu komplex, als dass es einfach nur so passieren könnte. Als Begründung nehmen sie die Welt. Die Dinge können fast gar nicht alle einfach nur so, ganz zufällig, so sein wie sie sind. Es gibt Luft, es gibt Wasser. Und wir brauchen genau das. Da ist nichts, was überflüssig ist oder was wir nicht 'verwerten' können. Alles ist genau so 'gebaut', wie wir es brauchen. Und wir sind genau so konstruiert, dass all das, was schon da ist, direkt zu uns passt. Ob es nun einen Gott oder einen anderen Schöpfer gibt, ist eigentlich unwichtig. Aber wenn man nicht daran glaubt, dann fällt es schwer, sich das Leben und die Welt mit so einem Plan zu erklären, der vorgibt, dass unser Leben anscheinend von Anfang bis Ende schon geschrieben ist und man deswegen nichts für die Fehler und schlechten Dinge kann, die passieren. Das war ja alles schon vorbestimmt. Da kann man gar nichts dagegen machen. Denken einige. Aber eine Entschuldigung kann das doch trotzdem nicht sein, oder? Schicksal hin oder her, wir können nicht für alles, was schiefgeht, eine höhere Macht oder irgendwelche Vorbestimmungen verantwortlich machen. Mag sein, dass es wirklich so einen Plan gibt. Aber trotzdem.
Wieso denken wir dann überhaupt eigenständig? Wieso sieht der Plan vor, dass wir selbst entscheiden und wieso bleiben manche Dinge - dann scheinbar - offen? Dann könnte ja auch gleich alles Zack auf Zack folgen, ohne die ganze ewige leere Zeit, in der wir uns mit irgendwelchen Entscheidungen abquälen, die ja doch schon vorherbestimmt sind. Dieser Plan würde uns doch nicht im Ernst das Gefühl geben, dass wir selbst bestimmen können. Und kann ein Plan so detailliert sein, dass er wirklich von der ersten bis zur letzten Minute eines Lebens korrekt funktioniert? Denk doch mal an all die Menschen, auf die wir jeden Tag treffen. Deren Plan muss ja dann irgendwie auch mit unserem in Verbindung treten. Wir müssen darin auftauchen. Alle Menschen müssen darin auftauchen, mit denen wir irgendwann zu tun haben. Es scheint einfach, sich den Grund und Sinn des Lebens und überhaupt die Existenz von allem mit so einem Plan zu erklären. Das Leben ist durchgeplant. Fertig.
Aber wenn man so darüber nachdenkt, dann ist die Sache mit dem Plan, die man 'einsieht' und einfach abhakt, eigentlich viel komplizierter als die Suche nach der Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, bei der einem nach und nach alles ein bisschen klarer wird und man sich irgendwann immer mehr in einem Durcheinander verfängt, aus dem man wirklich nicht mehr rauskommt. Viele haben Angst davor, einfach mal weiterzudenken, bis es nicht mehr geht. Sie sagen sich: Es gibt einen Plan. Und dann sind sie zufrieden. Aber das Leben muss doch noch einen anderen Sinn haben, außer nach irgendeinem Plan abzulaufen. Was nützt das?
Dann liegen also ziemlich viele solcher geschriebener Drehbücher herum, Milliarden Filme werden abgespielt, nur, damit genau das passiert, was in diesem Plan, im Drehbuch, steht. Wozu soll das gut sein? Wenn man einen Film oft gesehen hat, ihn gut kennt und irgendwann genau weiß, was passiert, dann ist er ja nicht mehr spannend. Jenseits von diesen ganzen Dingen, mit denen ich jetzt vielleicht ein Chaos in deinem Kopf ausgelöst habe, liegt noch was anderes. Das ist eigentlich viel einfacher. Und vielleicht auch faszinierender.

Und zwar: Nehmen wir mal an, dass wirklich alles nach Plan läuft. Dann ist es doch faszinierend, bei einem besonderen Ereignis im Leben daran zu denken, dass man vielleicht nur dafür gelebt hat. Dass alles, was man gemacht hat, immer auf dieses Ereignis zugesteuert hat. Dass einfach alles für diesen einen, entscheidenden Moment war. Vielleicht ist der Sinn des Lebens nicht für alle oder einen anderen Menschen. Vielleicht ist er auch einfach nur für einen selber. Und wir leben, um einen ganz besonderen, wundervollen Moment selbst erleben und fühlen zu dürfen. Dieser Moment hat keinen direkten Sinn. Er ist nicht dazu da, um irgendwas zu begründen oder damit irgendwas passiert. Er ist keine Brücke, die gebaut wird, damit es weitergehen kann. Er ist kein Schlüssel, der irgendeine Tür öffnet. Dieser Moment ist einfach nur da. Ohne Teil einer endlosen Kette zu sein. Er hätte gar nicht passieren müssen, es wäre gar nicht nötig gewesen. Es hätte trotzdem alles funktioniert. Aber solche Momente passieren, mindestens einmal im Leben. Nur für dich oder mich. Und dann bleiben sie bei uns in unserer Erinnerung - in der Erinnerung eines jeden Lebens, bis es irgendwann zu Ende geht. Und es wird nie wieder genau so passieren. Jeder Moment ist einmalig. Man spricht nicht darüber, weil man einfach nur erlebt und fühlt und vielleicht merkt, dass man nur dafür gelebt hat. Aber dann klingelt kein Glöckchen & niemand sagt einem: 'Das war dein Moment'. Sonst könnte es ja auch sein, dass sowas einfach mittendrin im Leben passiert und man wirklich nur für diesen Moment gelebt hat, und dann würde der Rest des Lebens irgendwie keinen Grund mehr haben. Den darf man aber auch nicht einfach nur wegschmeißen. Machmal wissen wir vielleicht erst am Ende, wenn wir das Puzzle zusammensetzen können, sich der Kreis schließt und wir vielleicht immer noch ein bisschen nach dem Sinn suchen, dass wir eigentlich schon lange angekommen waren und es gar nicht gemerkt haben. Vielleicht begegnen wir irgendwann, wenn wir 20 sind, mal einem Menschen. Laufen an ihm vorbei. Und denken uns gar nichts dabei. Vielleicht ist es 40 Jahre später genau der Mensch, der uns im Auto mitnimmt und uns von dem Haus wegfährt, auf das 5 Minuten später eine Bombe fällt. Sonst würden wir nicht mit fremden Leuten mitfahren. Aber da wir diesen Menschen ja schon früher getroffen haben, ist er nicht mehr fremd und wir fahren mit. Und er rettet uns so das Leben. Später denkt man darüber nach und kommt zu dem Entschluss, dass sich das alles eigentlich gar nicht so ereignet hätte. Oder jemand sagt uns irgendwann mal was, das wir fast vergessen haben. Später, wenn wir uns erinnern, könnte es lebenswichtig sein. Und manchmal haben wir das Gefühl, dass manche Dinge gar nicht passiert wären, wenn wir nicht genau in dem Moment an diesem Ort gewesen wären.

Das Leben muss einen Sinn haben... irgendeinen. Auch deins hat einen Sinn. Aber den kann dir niemand sagen. Den musst du selbst erleben. Und wenn du glaubst, du hast es geschafft, dann darfst du den Rest deiner Zeit hier trotzdem nicht aufgeben. Denn vielleicht war das nur der Anfang, ein Vormoment, damit der echte, große Moment erst passieren kann und du dachtest, dass das schon alles gewesen wäre. Irgendwann, wenn wir alt sind, dann werden wir sehen, dass alles in unserem Leben irgendeinen Sinn hatte. Auch wenn jetzt noch vieles offen ist und wir auf einige Dinge noch keine Antwort finden konnten. Vielleicht werden ein paar Puzzleteile gelegt, die noch kein Bild ergeben, und viele Jahre später finden dann weitere ihren Platz, die nicht passen würden, wenn nicht andere vor ihnen dagewesen wären. Vielleicht sind manche Dinge, die scheinbar total sinnlos passieren, erst mal nur die Vorbereitung auf das Eigentliche, ganz Große. Und darauf muss man halt warten können. Manchmal ein Leben lang. (:

 

 
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