Der perfekte Sommer

von Channeh, 12 Jahre


 

Der Sommer ist und bleibt die beste Jahreszeit. Schönes Wetter, grüne Wiesen und Besuche im Schwimmbad. Es war soweit, endlich begann die Zeit der Ferien! Schon seit dem letzten Jahr wartete ich auf sie. Schule war für mich nie ein richtiges Problem, aber Hausaufgaben sind echt die reinste Hölle. Also durchstand ich diese grausame Zeit, und nun heißt es: Freiheit! Unabhängig von Klavierunterricht und dem Fach Geschichte. Natürlich macht mir das Klavierspielen spaß, aber bei so manchen Musiklehrern kann man echt die Krise bekommen. Jedenfalls hatte ich Heute noch etwas vor. Denn um sechs Uhr geht unser Flieger.

Momentan saß ich aber noch, völlig müde von vier Stunden Schlaf im Auto Richtung Berliner Flughafen und filmte mit meiner fast brandneuen Spiegelreflexkamera (neben dem MyPod ein sehr bewundernswertes Geburtstagsgeschenk meiner Familie) unsere Fahrt. Hin und wieder unterbrach ich die Aufnahme um von meinem Schinken-Käsebrötchen abzubeißen. Von vorne rief meine Mutter, durch den Lärm der A7, das wir bald da wären und ich schon mal Nico wecken sollte.

Nico war mein zehnjähriger Bruder. Immer wieder fragte ich mich, wie er bei diesem Lärm schlafen konnte. Ich tat das was meine Mutter mir gesagt hatte, und bekam darauf ein mürrisches Grummeln zurück. "Steh schon auf" Dann streckte er seine Arme aus, gähnte und traf mich mit voller Wucht an der Schulter. "Lass mich in Ruhe" Nun blieb mir nichts mehr übrig, als ihn wach zu kitzeln. Lachend versuchte er mir auszuweichen, was wenig Sinn hatte. Bald bogen wir in eine Ausfahrt ein und waren binnen weniger Minuten am Flughafen. Ein riesiges Gebäude erstreckte sich vor uns. Vater parkte unser Auto und lud anschließend die schweren Koffer und Taschen aus. "Was habt ihr denn darin? Ziegelsteine?!" Schließlich stellte er den Koffer meiner Mutter auf den Schotter. In Gedanken versunken rief ich "Australien, wir kommen!" Ja, genau. Wir wollten für zwei Wochen nach Australien. In einem vier-Sterne Hotel werden wir übernachten. Danny fragte nebenbei, wie spät es eigentlich sei. Unser Vater antwortete mit: "Der Flieger geht in einer guten Stunde." Ich war so aufgeregt wie noch nie. Denn das war das erste Mal das ich fliege, Nico hingegen ist jetzt, mit seiner fünften Klasse schon mal nach Italien geflogen. Die Welt ist manchmal einfach ungerecht, oder ?
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Acht Stunden später landete unser Flieger in Australien, und sofort, beim Ausstieg traf mich eine Unglaubliche Hitze. "Wie warm ist es hier?" Anstatt meiner Eltern antwortete eine Flugbegleiterin: "Zweiundvierzig Grad." "Diese Hitze bringt mich bald um den Verstand!" Verzweifelt versuchte meine Mutter sich mit einer Zeitschrift Luft zu fächern. Mein Vater hingegen war anscheinend Optimistisch. Grinsend teilte er uns mit: "Da kommt auch schon unser Taxi!" Vor uns fuhr ein strahlend weißes Cabrio hervor. Mir vielen fast die Augen heraus, so strahlte dieses Auto, sogar andere wurden auf uns aufmerksam. Ein Fahrer mittleren Alters, um die dreißig stieg aus und nahm seine Designer-Sonnenbrille ab. "Welcome, do you are Mr. Martin?"

Der Fahrer gab meinem Vater die Hand und unterhielt sich mit ihm in perfektem Amerikanischen Englisch. Sehr bald stiegen wir ein und erfuhren, dass der Mann am Steuer Jack hieß, und ein alter Bekannter von dem Bruder meines Vaters war. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Ich saß in einem echten Cabrio und fuhr die leeren Straßen Australiens entlang. Der vorbeiziehende Wind wehte meine Haare nach hinten und die Hitze konnte mir nichts mehr anhaben. Am Straßenrand hüpfte ein Känguru entlang! Endlich konnte der Urlaub richtig beginnen! Die Fahrt dauerte nicht lange, und ich ärgerte mich fast, dass wir schon aussteigen mussten. Doch Vater versprach Danny und mir, das wir auf dem Rückweg wieder mit Jack fahren werden. Er hielt vor einem relativ großen Gebäude und ließ uns heraus. Wir checkten in einer riesigen Eingangshalle ein und liefen direkt danach hoch in unser Zimmer.

Als wir in den Raum kamen, kam mir alles wie ein Traum vor. Ich zog den Vorhang auf und blickte auf ein leeren, weißen Strand und die unendlichen Weiten des Meeres. Das Wasser war klar und türkisblau. Es schienen Minuten zu verstreichen, doch in Wirklichkeit waren es Sekunden. Als allererstes packte ich meine Sachen aus, und direkt danach zog ich mir meinem Badeanzug an und lief zum Strand. Inzwischen waren ein paar wenige Menschen am Strand. Der Sand war angenehm warm, und anders als in Deutschland voller Müll. Ich erwartete dass das Wasser ebenfalls warm sein würde, aber es war angenehm kühl. Stundenlang verbrachte ich im Wasser-zumindest schien es so. Bald kam ein Mädchen auf mich zu. Sie war mir schon vorher aufgefallen, als sie hinten mit ihrem Surfboard durch die Wellen glitt. Vielleicht war sie ungefähr so alt wie ich. Aber sie war definitiv mein komplettes Gegenteil. Ihre braunen Locken kräuselten sich bis zu ihren Schultern, komplett anders als meine. Ich hatte lange, blonde Haare, die mir fast bis ans Schlüsselbein reichten. Sie schien auch etwas kleiner als ich, vielleicht sogar etwas mollig, nicht dick, aber auch kein Spargel. "Hallo, haben wir uns nicht schon mal gesehen?" Plötzlich kam sie auf mich zu. "Ich denke ich kenne dich irgendwoher." Kannte ich sie ebenfalls? "Verbringst du hier auch deinen Urlaub ?" Sie antwortete mit einem heftigen Kopfschütteln und fing an zu grinsen. "Nein, ich lebe hier. Meine Eltern haben früher mit mir, also vor ein paar Jahren nahe Berlin gelebt."

Plötzlich fiel sie mir ein. "Mai? Bist du es? Waren wir nicht zusammen in der ersten Klasse?" Sie war es. "Stimmt, sorry wenn ich das jetzt frage, aber wie heißt du nochmal?" "Kein Problem, ich heiße Alina." Eine Pause entstand. "Wenn du möchtest kann ich dir das Surfen beibringen ?" Ähh, diese Frage traf mich jetzt völlig unvorbereitet. "Ja, ok. Wann denn?" Jetzt war sie es die mich verwundert ansah. "Jetzt gleich, also natürlich nur wenn dir das Recht ist." Ich willigte mit einem Nicken ein. Wir trafen uns fast jeden Tag, um zu üben. Am Ende des Urlaubs konnte ich so gut wie perfekt surfen. Doch an einem Tag konnte ich mich nicht mit mir treffen. Denn wir wollten auf eine Touristenreise in den Australischen Dschungel. Ich konnte noch nicht wissen, was passieren würde.

Mitten im Dschungel, weit entfernt von dem nächsten Ort bog die Touristengruppe irgendwo ab, als Nico und ich und einen exotischen Schmetterling betrachteten. "Nico, komm schon, wir müssen weiter." Natürlich blieb er genau dort stehen. "Geh alleine. Ich komm nach." Ich konnte ihn nicht allein dort lassen." Nach kurzer Zeit bemerkte ich dann, dass alle bereits verschwunden waren. Verzweifelt rief ich, bekam jedoch keine Antwort. "Nico, sie sind weg!" Natürlich musste er erst einmal ein Heulanfall bekommen. Schließlich setzte er sich auch noch in einen Haufen, aus dem Ameisen krochen. Es waren Feuerameisen. Was wir natürlich nicht wussten, war dass unsere Eltern sofort gemerkt hatten das wir fehlten und die Polizei verständigt hatte. Bald flogen Rettungshubschrauber über den Dschungel und fanden uns Wohlbehalten. So kam es, dass ich in einem einzigen Sommer nun auch noch in einem Hubschrauber geflogen bin. Meine Eltern waren aber nicht nur sauer auf Nico, sondern auf uns beide. In der zweiten Woche sahen wir uns Sehenswürdigkeiten wie das Great Barrier Reef an und gingen natürlich schwimmen. Dann waren wir in Canberra, der Hauptstadt von Australien und verjubelten hunderte von Australischen Dollar. Schließlich, ganz am Ende der Ferien bedankte ich mich bei Mia und versprach ihr, das wir uns wiedersehen würden. Denn inzwischen waren wir die besten Freundinnen geworden. Das war mein perfekter Sommer.

Ich hoffe die Geschichte hat euch gefallen, eure Channeh / Alina.

(Die Namen im obigen Text sind alle frei erfunden.)

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Liebe Channeh, vielen Dank, dass du an meinem Geschichtenwettbewerb teilgenommen hast. Wie versprochen kommt hier jetzt deine ganz persönliche Bewertung.

Deine Geschichte „Der perfekte Sommer“ hat mich gleich in ihren Bann gezogen. Du hast von Anfang bis Ende viele schöne Adjektive benutzt, um Personen, Orte und Gegenstände zu beschreiben. Ich hatte schon zu Beginn der Geschichte das Gefühl mit euch im Auto zu sitzen und in den Urlaub zu fahren. Ihr hättet doch sicher noch einen Platz für eine Ameise frei gehabt, oder? ;-)

Deine Geschichte ist eine sehr schöne Urlaubsbeschreibung. Es gibt eine Sache, über die ich ein wenig verwundert war. Die Wendung in der Geschichte geschah etwas plötzlich. Eventuell hättest du hier ein bisschen stärker auf den Höhepunkt im Dschungel hinarbeiten und so die Leser mehr in Spannung versetzen können. Zum Beispiel mit einer genaueren Beschreibung der Erlebnisse, als die beiden Geschwister im Dschungel allein waren. Dann hätte ich mich ein bisschen besser in sie hineinversetzen können. Dadurch war der Höhepunkt der Geschichte im Vergleich zum Teil davor relativ kurz.

Super fand ich, dass du am Ende noch ein paar Informationen zum Urlaubsort Australien eingebaut hast. So nehmen die Leser auch noch etwas mit. Ich kann mich nur den Kommentaren und Sternenklicks anschließen: Formidabel!

Mit deiner schönen Geschichte hast du mir richtig Lust auf einen Urlaub in Australien gemacht.
Ich hoffe, es kommen noch viele weitere tolle Geschichten von dir!

Vielen Dank & Liebe Grüße
deine Formi!

 

 
(9 Sternenklicks)

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